Einsparungen bei Yahoo könnten auch Delicious treffen
Wie ein internes Dokument offenbart, wird bei Yahoo über die Schließung von mehreren namenhaften Angeboten ernsthaft nachgedacht. So könnten auch der SoicalBookmarking-Dienst Delicious sowie Yahoo Buzz schon bald dem Sparstift zum Opfer fallen.
Die glorreichen Tage von Yahoo sind schon längst Vergangenheit, doch in jüngster Zeit wird der Niedergang immer offensichtlicher. Seitdem das Kaufangebot von Microsoft trotz der gebotenen Summe von gigantischen 45 Milliarden Dollar abgelehnt wurde musste der einstige Marktführer bei Internetportalen mehrmals Federn lassen: Mitarbeiter werden gekündigt, Dienste werden eingespart, und führende Manager verlassen mangels Perspektiven das Unternehmen.
Diese Woche wurde erneut der Abbau von 650 Arbeitsplätzen angekündigt — und das in einer Zeit zu der Google pro Jahr jährlich tausende neue Mitarbeiter anstelllt. Wie ein internes Dokument zeigt, könnten dabei auch gleich mehrere Angebote von Yahoo stillgelegt werden. Betroffen sind dabei mit Delicious, Yahoo Buzz, MyBlogLog, AlltheWeb und AltaVista gleich mehrere namhafte Dienste. Offiziell wird die Schließung dieser Services derzeit noch erwogen
. Yahoo will sich demnach von jenen Diensten trennen, die wenig profitabel sind und nicht zum Kerngeschäft gehören.
Während AlltheWeb und AltaVista nur zwei altehrwürdige Namen aus längst vergangenen Zeiten sind und keine praktische Bedeutung mehr haben, sorgen vor allem die Pläne bezüglich Delicious für Entrüstung. Delicious war einer der Pioniere des Web 2.0 und war die Mutter aller SocialBookmarking-Dienste. Der Dienst hat nach wie vor seine Fans und ist in Form von Buttons und Mashups auch noch heutzutage präsent. Es bleibt daher zu hoffen, dass Yahoo Delicious weiterhin leben lässt oder jemand anderer den Dienst übernimmt. Ein neues Zuhause könnte auch bei Google sein, wo zahlreiche unprofitable Angebote primär aus Goodwill beheimatet sind.
Die drohende Schließung von Delicious und MyBlogLog zeigt zugleich auch die Kehrseite von WebApps in der Cloud und Hosted Services, welche durch Googles Chrome OS gefördert werden sollen. Es gibt keinerlei Garantie, dass dieser Service nicht eines Tages trotz großer Beliebtheit eingestellt wird. Selbst große Namen wie Yahoo garantieren dafür nicht mehr. Wer Delicious oder MyBlogLog nutzt, sollte sich sicherheitshalber bereits ein Backup anlegen, sich nach Alternativen umsehen und eventuell dazu übergehen, seine Daten auf einem eigenen Webspace abzulegen.
Die mögliche Schließung des oftmals gelobten Yahoo Buzz wird die Nutzer vermutlich weniger stark treffen — an Buzz hängen keine wertvollen gesammelten Daten und Alternativen gibt es reichlich. Weniger erfreulich wird das jedoch für einige Website-Betreiber im englischsprachigen Bereich sein, denn Yahoo Buzz soll laut zahlreichen Berichten für eine Menge Traffic sorgen.
Artikel veröffentlicht von Thomas Graf am 17. Dezember 2010 | Tweet