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  • Jahresrückblick 2010: Gewinner und Verlierer im Social Web

    Im Jahr 2010 hat sich einiges im SocialMedia-Bereich getan. Facebook und Twitter sind die neuen Zugpferde und sind sorgen für laufenden Gesprächsstoff. Doch wie haben sich andere SocialMedia-Plattformen entwickelt und was hat Google noch in diesem Bereich vor?

    Begriffe wie Web 2.0 und Social Web sind in aller Munde. Am Beginn des Hypes wurden damit vor allem Vorreiter wie Wikipedia, Delicious und Flickr gemeint. Heute sind die Stars des Social Webs hingegen Facebook und Twitter, während die einstigen Liebkinder an Bedeutung verlieren. Die Kräfteverhältnisse im Social Web verschieben sich sehr schnell.

    Im folgenden Beitrag sollen die Gewinner und Verlierer unter den Social-Web-Plattformen im Jahr 2010 betrachtet werden. Die notwendigen Zahlen für diese Analyse stammen von Compete sowie Google Trends for Websites. Die absoluten Zahlen sind hier mit großer Vorsicht zu betrachten, grundsätzliche Trends sollten in den Zahlen aber korrekt reflektiert werden.


    absteigender Trend Delicious

    Delicious stand in der vergangenen Woche im Mittelpunkt des Interesses, als Einsparungs-Pläne von Yahoo bekannt wurden. Delicious ist nun auf der Suche nach einer neuen Heimat — doch der absteigende Trend erleichtert die Suche sicher nicht.

    Absteigender Trend  von Delicous

    Der Vorreiter im Bereich von Social Bookmarking hat seine besten Zeiten schon hinter sich und zählt zu den Verlierern des Jahres — auch wenn sich Delicious nach wie vor auf hohem Niveau bewegt und keineswegs tot ist. Unmittelbaren Konkurrenten ergeht es ähnlich, lediglich Diigo konnte dank eines erweiterten Konzepts in diesem Jahr etwas zulegen.

    Delicious kämpft nicht mit gleichartigen Konkurrenten, sondern mit veränderten Gewohnheiten der Nutzer und neuartigen Diensten. Das soziale Teilen von Entdeckungen im Web hat sich zu Twitter und Facebook verlagert. Und das computer-unabhängige Speichern und die Synchronisation von Bookmarks erledigen mittlerweile die Webbrowser direkt. Zwei der wesentlichsten Funktionen von Delicious haben sich verlagert, es bleibt nur noch das Entdecken von empfehlenswerten Websites.


    absteigender Trend Digg

    Bei Digg ist die Situation sehr ähnlich gelagert. Die schlimmste Konkurrenz sind nicht unbedingt gleichartige Dienste wie StumbleUpon, sondern vor allem Facebook und Twitter. Mit den begrenzten Ressourcen von Digg kann man insbesondere mit Facebook kaum mithalten.

    Absteigender Trend  von Digg

    Wie zu erkennen ist, haben Social News aber noch nicht ganz ausgedient. Bei StumbleUpon ist ein Aufwärtstrend zu erkennen. Digg hat zusätzlich noch einen internen Fehler gemacht — mit einem Relaunch sollte Digg noch sozialer werden und mehr in Richtung Facebook gehen. Die Nutzer von Digg goutierten das jedoch nicht, der Relaunch war ein Schuss ins eigene Bein. Eine ähnliche Situation haben wir bereits beim deutschen Klon Digg vor längerer Zeit gesehen.


    absteigender Trend Flickr

    Der Befund für Flickr ist ähnlich zu dem der bisher genannten Dienste. Flickr bleibt zwar eine unverzichtbare Quelle für Bilder, aber auch hier ist ein Abwärtstrend zu erkennen, der durch eine Verschiebung zu Facebook erklärt werden kann.

    Absteigender Trend  von Flickr

    Private Fotos werden zunehmend zu Facebook verlagert, wo das soziale Umfeld einfach besser eingebunden und wesentlich öfter aktiv ist. Dazu kommen Dienste wie Twitpic und Yfrog, die einen schnellen Upload ermöglichen und vor allem im Twitter-Umfeld verbreitet sind.

    Nicht betroffen ist jedoch die Funktion als Galerie für Künstler. Hier zeigt auch der Vergleich mit DeviantArt, dass diese künstlerischen Bilder nicht zu Facebook verlagert werden. Bei DeviantArt gibt es eine relativ konstante Entwicklung mit saisonalen Schwankungen.


    aufsteigender Trend Facebook, absteigender Trend MySpace, absteigender Trend Bebo

    Bei den Social Networks gibt es eine zweispältige Bilanz: Die Bedeutung von sozialen Netzwerken nimmt zu, aber fast alle Plattformen verlieren. Es gibt einen einzigartigen Konzentrationsprozess, aufgrund des Netzwerkeffekt zieht Facebook allen anderen Netzwerken die Nutzer ab. Facebook ist der Gewinner des Jahres und nicht ohne Grund wurde Mark Zuckerberg von der Time etwas überraschend zur Person des Jahres gewählt (auch wenn Wikileaks dieses Jahr möglicherweise eine noch tiefgehendere Veränderung angestoßen hat).

    Aufsteigender Trend  von Facebook

    Facebook wächst weiterhin ungebremst. Auf keiner Web-Plattform verbringen Nutzer in Summe mehr Zeit als bei Facebook. Das macht Facebook für Publisher und Marketer interessant. Erste Publisher verlagern ihr gesamtes Angebot auf Facebook — prominentestes Beispiel ist dabei das FHM-Magazin gewesen. Aufgrund des geschlossenen Systems könnte hier eine Art Parallelweb entstehen, welches Tim Berners-Lee unlängst als Gefahr für das Web bezeichnete. Jedenfalls entsteht ein Lock-In-Effekt, der die Position von Facebook langfristig absichtert. Das Jahrzehnt von Facebook könnte folgen.

    Die Konkurrenz kapituliert mittlerweile schon. Der einstige Branchen-Primus MySpace konnte die Abwanderung zu Facebook nicht aufhalten. Der Kampf um die sozialen Netzwerke wurde aufgegeben, stattdessen kooperiert MySpace nun mit Facebook und versucht eine Neuausrichtung als Video- und Musik-Plattform. Auch die einstige Zukunftshoffnung Bebo musste die Niederlage einsehen. Bebo wurde im Jahr 2008 um 850 Millionen Dollar von AOL gekauft, danach verlor Bebo rapide an Nutzern und ist heute praktisch bedeutungslos. Angeblich bietet AOL jetzt das soziale Netzwerk um läppische 20 Millionen zum Weiterverkauf an.


    Lokale soziale Netzwerke in Deutschland

    Während Facebook international das unanstastbarer Marktführer ist, gibt es lokal durchaus noch Konkurrenz. Orkut ist noch in Brasilien führend, V-Kontakte dominiert in Russland, Mixi in Japan und gegen QZone hat Facebook in China keine Chance. Ansonsten gibt es auf der internationalen Landkarte der SNs keinen bedeutsamen Markt ohne Facebook-Vorherrschaft. Auch in Deutschland ist Facebook führend, aber die lokalen Netzwerke sind nicht von der Bildfläche verschwunden.

    Regionale soziale Netzwerke in Deutschland im Vergleich

    Hinter den deutschen Social Networks stecken mächtige Medienhäuser, die auf Cross-Promotion setzen und sich damit durchaus etablieren können. Generell ist ein Abwärtstrend zu erkennen, aber die Existenz in der Nische ist weiterhin möglich. Als Vorzüge werden neben der Lokalität vor allem der bessere Datenschutz sowie die reduzierte Komplexität gepriesen.

    Am stärksten sind StudiVZ und SchülerVZ vom Negativ-Trend betroffen — die junge, Technik-affine Zielgruppe dieser Plattformen wandert am häufigsten zu Facebook ab. Trotz der negativen Entwicklung der Nutzerzahlen hat die VZ-Gruppe aber erstmals in ihrer Geschichte schwarze Zahlen geschrieben. Daher kann man auch nicht eindeutig von einer negativen Entwicklung sprechen.


    aufsteigender Trend Twitter

    Twitter kann man nicht einfach an den Besuchern auf der Website messen. Twitter ist als Plattform auf unzähliche Websites und Clients verteilt. Klar ist aber, dass Twitter zu den Aufsteigern gehört. Laut Angaben des Unternehmens wurde in den vergangenen 12 Monaten rund 100 Millionen neue Accounts registriert und 25 Milliarden Tweets versendet. Im Dezember konnte Twitter zudem rund 200 Millionen als frisches Kapital ans Land ziehen.

    Die beeindruckenden Zahlen können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Twitter nach wie vor ein klares Geschäftsmodell fehlt. Derzeit dürfte die Lizenierung des Datenstroms an Google und Bing die Haupteinnahmequelle sein. Daneben experimentiert Twitter zwar mit Promoted Tweets, aber das reicht definitiv nicht zur Kostendeckung und schon gar nicht um einen angeblichen Firmenwert von mehr als 3 Milliarden Dollar zu rechtfertigen.


    aufsteigender Trend Tumblr

    Im Gegensatz zu anderen genannten Plattformen gab es rund um Tumblr nie einen großen Hype. Tumblr gehört jedoch zu den ganz großen Aufsteigern der letzten beiden Jahre.

    Aufsteigender Trend  von Tumblr

    Tumblr ist eine Mikroblogging-Plattform, Nutzer können Texte, Bilder, Links und Video- bzw. Audiodateien in einem „tumblelog“ veröffentlichen können. Es ist irgendwie in der Mitte zwischen einem richtigen Blog und Twitter anzusiedeln — es können auch längere Texte veröffentlich werden, zugleich positioniert es sich aber auch als elementares soziales Netzwerk. Am ehesten ist es mit Facebook vergleichbar, allerdings sind die Blogs öffentlich.

    Ein konkreter Grund für das große Interesse an Tumblr ist nicht einfach zu finden. Manche sagen, dass Tumblr die MySpace-Lücke füllt. Tumblr ermöglicht mehr Freiräume und Möglichkeiten zur Selbstdarstellung als Twitter oder Facebook — zugleich ist es aber sehr einfach zu bedienen und erfordert im Gegensatz keinen eigenen Webspace. Tumblr macht zwar vieles richtig, aber wirklich bedeuteunde Unterschiede zu anderen Blog-Plattformen sind kaum zu finden.


    aufsteigender Trend YouTube

    YouTube ist Googles größte SocialMedia-Plattform und wird hier getrennt von Googles restlichen SocialMedia-Bemühungen behandelt. Der Trend zeigt bei Google nach oben — trotz starker Konkurenz wie durch Hulu und Vimeo steigt bei YouTube die Nutzung weiter an. YouTube-Videos werden auf Millionen Websites eingebunden und die Plattform bietet ein immer größeres Repertoire.

    Dazu gewann YouTube zur Jahresmitte das richtungsweisende Gerichtsverfahren gegen Viacom. Die Maßnahmen zum Urheberrechtsschutz werden als ausreichend angesehen, und YouTube kann nun auch die 15-Minuten-Grenze für Videos aufheben. Dies sind allesamt positive Entwicklungen.

    Bei der Monetarisierung hat Google einiges probiert, allerdings alles nur im kleineren Rahmen. Googles momentane Strategie schaut stark danach aus, als würde man nur auf Kostendeckung abzielen. Eine bedeutende Geldquelle wird die Werbung in den Videos auch in der nahen Zukunft nicht werden. Auch wenn sich der YouTube-Kauf nicht amortisiert hat, war die Übernahme im Jahr 2006 um 1,65 Milliarden Dollar kein Fehler. YouTube ist von strategischer Bedeutung und ist so zumindest nicht in der Hand eines Konkurrenten.

    Googles neues Geschäftsfeld wird bald der Vertrieb von digitalen Inhalten sein. Schon seit längerer Zeit verhandelt Google mit der Filmindustrie über einen Verkauf von Filmen über YouTube. Mit einer integrierten Verkaufsplattform könnte Google auch YouTube profitabel machen. Vorausgesetzt es gibt eine baldige Einigung mit den Inhaltsanbietern.


    Googles sonstige Bemühungen

    Facebook ist keine unmittelbare Bedrohung für Google. Das Suchgeschäft wird davon nicht berührt und das Werbenetzwerk ist trotz der Konkurrenz von Facebook weiterhin gewachsen, was Google zu einem neuen Rekordgewinn verhalf. Dennoch ist Google über die Entwicklung von Facebook besorgt — mit seiner Nutzerbasis könnte sich Facebook bald in andere Geschäftsfelder vorwagen.

    Google war bei SocialMedia-Plattformen bisher nicht sonderlich erfolgreich. YouTube wurde nur aufgekauft und ist auch kein klassisches soziales Netzwerk. Orkut war eine Zeit lang im Rennen, ist heute aber nur im für Google finanziell weniger bedeutenden Südamerika verbreitet. Google versuchte es mit Google Buzz und scheiterte an der unglücklichen Integration mit GMail und den damit zusammenhängenden Datenschutz-Pannen.

    Googles nächster Versuch soll Google +1 sein (vormals unter dem Namen Google Me angekündigt). Was hinter Google +1 steckt, ist bisher nicht ganz klar. Jüngste Vermutungen gehen in Richtung einer Toolbar oder Browser-Extension, über die man Inhalte mit freunden teilen kann. Quasi ein Like-Button von Google. Ob diese Likes als Grundlage für ein soziales Netzwerk dienen oder vielleicht Einfluss aufs Ranking haben sollen, ist bisher allerdings ein offenes Rätsel.

    Artikel veröffentlicht von am 20. Dezember 2010 |


    m.graf
    05. Januar 2011 [#]
    sehr informativer artikel myspace ade

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