Nach aktuellen Schätzungen hat der Online-Werbemarkt bereits ein Volumen von 17 Milliarden Dollar. Mit den Werbemilliarden finanzieren sich zahlreiche Online-Angebote im Internet. Werbende, Webmaster und Benutzer profitieren daraus gleichermaßen. Doch wo Geld im Spiel ist, wollen immer mehr am Kuchen mitnaschen.
Wie ich in der Europa-Ausgabe des renommierten Wirtschaftsblattes Wall Street Journal vom 6. Dezember 2007 lesen musste hat nun die amerikanische CenturyTel die Online-Werbung als Einnahmequelle entdeckt. Der Titel des Artikels heißt viel sagend Ad technology keeps Tabs on Web activities
(übersetzt also Werbe-Technologie überwacht Online-Aktivitäten
) und lässt nichts Gutes vermuten.
CenturyTel ist unter anderem als Internet Service Provider (ISP) aktiv, stellt also Internet-Anschlüsse zur Verfügung (über 500000 Breitband-Kunden in den USA). Wegen der starken Konkurrenz im Kerngeschäft will die Firma ihr Angebot erweitern. Deswegen steigen sie in den Online-Werbemarkt ein. Allerdings nicht, indem sie wie andere Werbung auf Webseiten vermitteln. Sie setzen auf behavioral targeting
. Es wird also das Surfverhalten überwacht, die Technologie dazu wurde von NebuAd entwickelt.
Behavorial Targeting ist im Grunde genommen nichts Neues. Schon jetzt setzen einige Werbeanbieter darauf. Auf den Seiten der Publisher (also den Webmastern, die Werbung auf ihre Webseiten stellen) werden Cookies gesetzt, mit denen ein Besucher innerhalb des Werbe-Netzwerkes wieder erkannt werden soll. Da diese Werbung nur auf einen sehr kleinen Teil der Webseiten platziert ist, kann auch nur ein relativ kleiner Teil des Verhaltens analysiert werden.
Allerdings verfolgt die Technologie von NebuAd einen anderen Ansatz: Man kooperiert mit willigen ISPs wie eben CenturyTel. ISPs können das gesamte Verhalten ihrer Kunden dokumentieren. Die Daten bekommt dann NebuAd, welche dann auf Webseiten für jeden Besucher die passende Werbung ausliefern. Aus Sicht der Werbetreibenden ist die Technologie NebuAd noch nicht sonderlich interessant, solange nur ein einzelner ISP im Werbenetzwerk sind. Nur manchen Surfern kann so auf einer Internet-Seite zielgerichtet Werbung angezeigt werden. Sobald aber mehr ISPs mitmachen, kennt man immer mehr Besucher und das ganze wird eine sehr attraktive Werbeform. Und das ganze ist echtes Datenschutz-Horrorszenario, welches die vielfach und berechtigt kritisierte Vorratsdatenspeicherung qualitativ (im negativem Sinne) noch übertrifft..
Erschwerend kommt auch noch hinzu, dass ein ISP verschiedene Daten wie Name und Anschrift, unter Umständen aber auch Alter und Einkommen ihrer Kunden kennt. Eine Verknüpfung mit diesen Daten wäre problemlos möglich. Während sich viele Werbungs-Anbieter der freiwilligen Bestimmungen der Network Advertising Initiative unterworfen haben, ist das zum Beispiel bei CenturyTel nicht der Fall. Die Bestimmungen regeln, dass Online-Verhalten und Kundendaten nicht verknüpft werden dürfen.
Die Firma hat natürlich einige Einschränkungen gemacht, welche die Kritik verstummen lassen sollen. Die Kunden werden über die Technologie informiert und es gibt eine Opt-Out-Möglichkeit (sprich ein Kunde kann veranlassen, dass sein Verhalten nicht analysiert wird). Außerdem sollen laut NebuAd bestimmte Seiten generell nicht erfasst werden: Dazu sollen politische Seiten, Gesundheits-Seiten (wie etwa Google Health und Microsoft Health Vault) und Sex-Seiten gehören. Wie man vor allem die Gesamtheit der ersten beiden korrekt erkennen will, frage ich mich allerdings schon.
Ich hoffe stark, dass andere ISPs vernünftig genug sind, diesem Beispiel nicht zu folgen - und ich hoffe auch, dass so etwas in Europa rechtlich nicht möglich ist (habe allerdings keine Ahnung). Bedenklich ist aber vor allem, dass viele kleinere Firmen auf finanziellen Gründen keine Rücksicht auf Datenschutz nimmt, weil sie eben das Geld brauchen. Da ist es mir ehrlich gesagt lieber, wenn Google einiges über mich weiß - denn für die ist das Vertrauen der Besucher wirtschaftlich viel wichtiger als ein paar Nebeneinnahmen als aus der Weitergabe von persönlichen Daten (was aber nicht heißt, dass man sich über Datenkrake Google gar keine Sorgen machen sollte!) ...
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