Domain Tasting
ist eine Praxis, bei der man Domains vor dem endgültigen Kauf kostenlos ausprobieren
kann. Möglich ist dies bei Top-Level-Domains, welche von der ICANN verwaltet werden. In den ersten fünf Tagen nach der Domain-Registrierung (grace period
) kann die Domain zurückgegeben werden, ohne dass dem Registrierenden irgendwelche Kosten anfallen - sozusagen ein Kauf auf Probe.
Sinn und Zweck dieser Regelung war ursprünglich, dass der Registrierende die Vermarktbarkeit einer Domain austesten kann. Allerdings wird Domain Tasting schon seit langer Zeit von dubiosen Geschäftemachern missbraucht. Sie registrieren hunderte bis tausende Domains, monetarisieren diese mit mit Google AdSense (siehe Google Domainpark für geparkte Domains) oder anderen Partnerprgrammen und nach Ablauf der fünf Tage wird die Domain wieder zurückgegeben.
Man könnte annehmen, dass diese Einnahmen nicht sonderlich hoch sind - was allerdings ein Irrtum ist. In einem Gerichtsprozess wurde etwa aufgedeckt, dass eine einzelne Firma 3 Millionen Dollar pro Woche mit Google AdSense auf derartigen Domains verdient hat. Und natürlich verdient der Betreiber des Partnerpgramms durch die Provisionen ebenso an diesen Geschäften mit.
Domain Tasting hat mittlerweile enorme Dimensionen angenommen. Der Domain-Registrar Go Daddy hat Anfang 2007 zum Thema Domain Tasting folgende Zahlen angegeben: 55,1 Millionen Domains wurden registriert. Davon wurden 3,6 Millionen Domains tatsächlich gekauft, der Rest kurz vor Ablauf der 5-Tages-Frist zurückgegeben.
Viele Werbende sind über Werbung im Google Domainpark jedoch nicht glücklich, und wollten Opt-Out Optionen. Diese wird es auch weiterhin nicht geben - dem missbräuchlichen Domain-Tasting droht jetzt aber ein empfindlicher Schlag: Der Domaintool Blog berichtet, in Berufung auf einen namentlich nicht genannten Informanten, dass Google in Zukunft nur noch Domains in das Domainpark-Programm aufnehmen will, welche älter als 5 Tage sind. Für normal geparkte Domains ändert sich somit nichts, den Domain-Tasting wird aber ein Riegel vorgeschoben.
Das Ende des missbräuchlichen Domain-Tastings bedeutet das allerdings noch nicht. Diejenigen, die bisher mit diesem Geschäftsmodell
Geld verdient haben, werden sich natürlich nach Alternativen umsehen - welche mitunter schlechter sind. Wenn aber auch andere Partnerprogramme nachziehen, wird die Suche nach Alternativen immer schwieriger werden.
Domain Tasting ist auch wegen einer anderen Unsitte in die Schlagzeilen gekommen: Immer wieder wird verschiedenen Firmen vorgeworfen, Domain-Abfragen zu speichern. Ist die Domain frei, wird diese erst einmal registriert - diese Praktik wird Domain Frontrunnung genannt. Wer also nur schauen wollte, ob eine Domain frei ist, muss diese dann auch bei einem bestimmten Registrar bestellen. Zumindest dann, wenn er nicht weiß, dass er nur ein paar Tage warten müsste. Sollte der Kunde die Domain nicht wollen, kann sich der Regstrar dank Domain Tasting schadfrei halten und die Registrierung einfach widerrufen.
Die ICANN kennt diese Probleme natürlich auch - und will jetzt auch eingreifen. Es wird erwogen, eine geringe Gebühr fürs Domain Tasting zu verlangen. Diese Maßnahme hat sich bereits bei der Public Interest Registry (zuständig für .org-TDLs) bewährt - dort werden 5 US-Cent verlangt. Dies war zwar nicht das Ende des Domain-Tastings, allerdings reduzierte sich die Zahl der widerrufenen Domain-Registrierungen unmittelbar nach der Einführung der Gebühr von über 2 Millionen auf etwa 150000 pro Monat (-94%).
Falls sich die ICANN wirklich zu diesem Schritt entschließt und Google tatsächlich getastete
von AdSense ausschließen wird, könnte die Seuche Domain Tasting schon sehr bald ein Ende nehmen ...
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