Brockhaus wird werbefinanzierte Online-Enzyklopädie
Seit Jahren zeichnet sich ein Trend ab: Klassische Nachschlagewerke wie etwa der Brockhaus verlieren an Zuspruch, Online-Enzyklopädien wie Wikipedia werden immer größer und beliebter.
Die Vorteile der digitalen Informationsbeschaffung liegen auf der Hand: Aktuellere Informationen, kein großer Platzbedarf und der Preis sind hier zu nennen. Im Vergleich zu Wikipedia punktet der Brockhaus zwar mit höherer Verlässlichkeit und einem gewissen Renommee - doch wer hat Platz für eine gedruckte Enzyklopädie mit 30 Bänden, und kann bzw. will dafür rund 2500 Euro ausgeben? In Anbetracht der Alternative Wikipedia immer weniger Menschen - und das bereitet dem Brockhaus massive Probleme.
Als Reaktion auf Millionen-Verluste im Jahr 2007 hat der Brockhaus-Verlag nun angekündigt, ab 15. April 2008 die gesamte Enzyklopädie kostenlos im Internet verfügbar zu machen. Das Angebot soll durch Online-Werbung finanziert werden. In der Pressemitteilung spricht der Verlag von einer Weiterentwicklung der Marke Brockhaus
, und das Börsenblatt bezeichnet das ganze als mutigen Schritt nach vorn und eine Kehrtwende
.
Update: Wie Spiegel Online berichtet, hat diese Ankündigung den Verkauf des Brockhauses angekurbelt. Über die Einstellung der Druckversion soll jetzt erst in einem Jahr endgültig entschieden werden. Der Start der Online-Version wird nicht wie geplant Mitte April, sondern erst einige Wochen später erfolgen.
Tatsächlich ist der Schritt ins Internet schon längst überfällig gewesen, der Verlag hat jahrlang eine Entwicklung verschlafen bzw. keine passende Antwort darauf gefunden. Auch mit dem Online-Auftritt bleibt der Hauptkonkurrent derselbe: Die freie Enzylopädie Wikipedia, welche bereits ein unverzichtbarer Bestandteil des Internets geworden ist. Doch Wikipedia ist nicht perfekt und hat zahlreiche Kritiker - genau das will der Brockhaus-Verlag ausnutzen und positioniert das neue Produkt dementsprechend:
Der immer unübersichtlicher werdenden Flut von Informationen aus dem Internet stellen wir mit „Brockhaus online“ jetzt ein Wissensportal entgegen, das für Relevanz, Richtigkeit und Sicherheit steht. [...] Der aktuelle Schritt zum werbefinanzierten Modell ermöglicht es allen Menschen, am relevanten, nicht manipulierbaren „Brockhaus-Wissen“ teilzuhaben.
Die Online-Enzyklopädie soll auch umfangreiche multimediale Inhalte bieten und kontinuierlich verbessert werden. Dafür sollen rund 200 der bisherigen 250 Mitarbeiter sorgen - die 50 verbleibenden Mitarbeiter fallen einem Stellenabbau zum Opfer. Weitere Auflagen der gedruckten Gesamtausgabe des Brockhauses bezeichnete ein Firmensprecher als unwahrscheinlich. Themenlexika sollen aber auch weiterhin in Buchform erscheinen. Im Blog von Handelsblatt spricht man in diesem Zusammenhang bereits vom Stillen Tod des Brockhaus.
Der Gang des Brockhauses ins Internet hat übrigens auch noch einen anderen interessanten Aspekt: Bei der Informationssuche im Internet gelangt von bei einer großen Anzahl von Suchanfragen via Suchmaschine zu Wikipedia. Hier könnte sich bald was ändern: Der Brockhaus könnte bei entsprechender Optimierung der Seite schnell nach vorne gelangen, und auch Google will mit Knol eine eigene Enzyklopädie auf die Beine stellen. Es wird in den Suchmaschinen-Ergebnissen also immer enger!
Artikel veröffentlicht von Thomas Graf am 12. Februar 2008 | Tweet
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Anonym 23. Juli 2008 [#] |
Nur schade, dass die Online Enzyklopädie nicht kostenlos ist- wie eigentlich auch angekündigt!! |
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Hallmeier-Maisner 21. August 2008 [#] |
Ich habe vier Kinder, die gerne das fundierte und gesicherte Wisssen des Brockhaus für ihre Arbeit in der Schule nutzen würden. Wikipedia bietet meistens eine sehr unübersichtliche Fülle von Informationen, die zu filtern schon einigen Zeit in Anspruch nimmt. Daher ist sie als Nachschlagewerk meines Erachtens auch nicht so gut geeignet. Solange aber jede Information in der Brockhaus Enzyklopädie kostenpflichtig ist, wird uns dieses Wissen wohl nicht zugänglich sein. Vielleicht finden wir ja in der Zwischenzeit eine andere Alternative. |
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Thomas 21. August 2008 [#] |
Hallo, mittlerweile frage ich mich auch schon, warum der Online-Brockhaus trotz mehrerer Ankündigigungen noch immer nicht online ist. Ich erwarte aber, dass es noch dieses Jahr so weit sein wird. Die zunehmende "Verwissenschaftlichung" der Wikipedia beobachte ich auch schon längere Zeit. Früher hat man schnell einen Überblick bekommen, jetzt leider nicht mehr. |