Die Verlagsgruppe Holtzbrinck verstärkt ihr Engagement im Internet. Das neueste Werk ist ein neues Nachrichtenportal namens Zommer. Zoomer sollte ein neuartiges Nachrichtenportal werden, und eine junge, werbeaffine Zielgruppe
ansprechen.
Ein neuartiges Nachrichtenportal ist es geworden, quasi ein Nachrichtenportal 2.0. Das Konzept: Redaktionelle Inhalte wie etwa bei Spiegel Online, welche von den Benutzern bewertet werden. Je besser die Bewertung, desto prominenter werden die Inhalte platziert. Kommentiert werden kann natürlich auch. Dazu kommen dann noch ein paar andere Web 2.0 Zutaten, wie etwa eine Verknüpfung mit StudiVZ (darauf habe ich gewartet!). Andere Eigenschaften, wie man etwa von Web 2.0 Vorreiter del.icio.us kennt, nämlich Usability und Übersichtlichkeit sind aber hier ein Fremdwort.
Nach einer Lobeshymne bei Turi habe ich einen ersten Blick darauf geworfen. Nach wenigen Sekunden war das Browserfenster wieder geschlossen, so schlecht war der erste Eindruck. Was wohl daran lag, dass Zoomer im Opera-Internetbrowser unvollständig angezeigt wird. Erst als ich gelesen habe, dass Holtzbrinck dahinter steckt, war mein Interesse geweckt. Und ich nahm das genauer unter die Lupe. Also so sollte es mit einem unterstützten Browser aussehen:
Vom optischen Eindruck her finde ich es überladen, aber das ist ja subjektiv. Anderen gefällt es vielleicht mehr, daher spare ich mir Kritik. Die inhaltliche Betrachtung finde ich interessanter: Ernste
Themen gibts zwar auch, aber der Boulevard dominiert. Wahllose Auswahl von derzeitigen Themen auf der Startseite:
TV-Duell um den Job: Geschmacklos oder hilfreich?
Steueraffäre - wo der Fahnder jetzt klingelt
Alle loben Toni, Lahm kritisiert den "Kaiser"
Beust kontra Naumann - Uaaaah, gääähn - das TV-Duell der Hamburger Spitzenkandidaten
Mit Feuerlöscher gegen rauchende Freundin
In der Rubrik Gegensprechanlage
kann der geneigte Leser außerdem höchst interessante Meinungen lesen:
Ich höre fremden Leuten gern beim Telefonieren zu(ich auch!)
Ich lass' mein Handy im Kino an
Eisbären-Babys sind doof!(was können die armen Eisbeeren für die Medien?)
So. Welche Zielgruppe wollte man damit ansprechen? Eine junge, werbeaffine Zielgruppe
. Studenten und Jung-Akademiker wohl. Und was sagte Turi? Entscheidend dürfte sein, dass Holtzbrinck mit StudiVZ und SchülerVZ schon heute den Draht zur jungen Generation hat.
Aha! Ich denke, dass Holtzbrinck seine Zielgruppe da falsch einschätzt (diesbezüglich kann ich mich nur Alexander Becker von ethority anschließen). Den durchschnittlichen Studenten bzw. Jungakademiker interessiert das sicher viel weniger als andere Bevölkerungsschichten. Für mich persönlich kann ich sagen: Ich falle in die Zielgruppe, aber interessieren tut es mich nicht. Ob die Verzahnung mit StudiVZ reicht, um Studenten zu Zoomer zu locken, wird sich zeigen.
Weg von den subjektiven Sachen, hin zu den harten Fakten. Auch die sprechen nicht gerade für Zoomer. Trotz schnellem Internetzugang braucht die Seite bei mir ziemlich lange zum Laden. Kein Wunder, wenn man sich den Aufbau genauer ansieht:
In Anbetracht von so viel Javascript und Flash wundert es mich nicht, dass Firefox auf dieser Seite besonders oft abstürzt (nicht nur bei mir). Sehr ärgerlich. Übrigens, nur zum Vergleich: die Startseite von Pixelfolk (die zugegeben relativ minimalistisch ist) lädt nur 11 Dateien mit insgesamt 46 KB (weniger als 5% von Zoomer).
Aus Perspektive der Suchmaschinen-Optimierung hat man sich sichtlich angestrengt: URL-Rewritung wurde sehr konsequent und gut umgesetzt, die Domain wurde gekauft und ist bereits über 6 Jahre alt, hat zumindest einen Pagerank von 1 (was uns der Name Zoomer
aber sagen soll, weiß ich nicht). Verbesserungen sind aber noch auf jeden Fall noch drinnen, wozu ich aber nichts Genaueres sagen will.
Gegen das Konzept ist eigentlich nichts einzuwenden. Die deklarierte Zielgruppe wird Zoomer mit der derzeitigen inhaltlichen Ausrichtung vermutlich nicht so erreichen wie gewünscht, aber dafür spricht es halt andere an. Verbesserungen sind allerdings vor allem im Bereich der Usability unbedingt noch notwendig, damit das Surfen auf den Seiten angenehmer wird. Aufpassen sollten die Betreiber aber, dass sie nicht so wie StudiVZ ständig Negativ-Schlagzeilen machen ...
Lesenswert ist übrigens der sehr ausführliche Bericht bei DWDL, Alles oder nichts: Zoomer.de spielt auf Risiko. Und Don Alphonso, bekannter StudiVZ/Holtzbrinck-Kritiker von Blogbar, berichtet bereits über den ersten groben Fehler von Zoomer. Inhaltlich bezeichnet er Zoomer schlicht und einfach als Schrott.
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