StudiVZ- und SchülerVZ-Betreiber Holtzbrinck bleibt weiter in den Negativ-Schlagzeilen - diesmal mit einer Abmahnwelle gegen Internetseiten. Communities mit einem VZ
im Namen werden von Holtzbrinck offensichtlich nicht mehr geduldet, obwohl diese gar nicht in direkter Konkurrenz zu StudiVZ stehen. Die rechtliche Grundlage dieser Abmahnungen gilt als fraglich.
Angefangen hat es mit PokerVZ und fußballerVZ. Diese beiden Seiten sind jetzt schon eine Weile nicht mehr unter ihren ursprünglichen Internetadressen pokervz.net und fussballervz.de erreichbar. Gegen diese Seiten liegt eine einstweilige Verfügung vor - kritisiert wurde von den Gerichten u.a. auch das ähnliche Design (!), welches StudiVZ selbst von Facebook abgekipfert hat. In diesen Fällen ging für Holtzbrinck jedenfall alles glatt über die Bühne ...
Ende letzter Woche kam dann der große Aufschrei, ein PR-Gau war angerichtet. Die rein private betriebene Seite ErstiVZ wurde zum Opfer einer Abmahnung. Betreiber Peter Großkopf hätte die Domain aufgeben sowie 2000 Euro Abmahnungsspesen zahlen sollen. Ein Aufschrei in der deutschen Blogosphäre war die Folge. Am Ende war StudiVZ um Deeskalation bemüht und man einigte sich: Die Spesen wurden Großkopf erlassen, die Domain muss er aber aufgeben.
Mittlerweile sind zwei weitere Fälle bekannt, in denen ebenfalls eine derartige Abmahnung zugestellt wurde: FickenVZ sowie Abitur-VZ sind davon betroffen. Abitur-VZ von Abidin Kekec beschreibt sich selbst so:
Ziel dieses Projektes ist es die Netzwerkkultur an deutschen Schulen und Hochschulen zu fördern, die Anonymität an den Hochschulen zu senken und eine intuitiv bedienbare Plattform zu bieten, auf der sich Schüler kostenlos zu überwiegend lokalen Themen organisieren und austauschen können.
Hinter der Seite stecken keine kommerziellen Interessen, nicht einmal Werbung konnte ich finden. Abitur-VZ ist verglichen mit SchülerVZ und StudiVZ wohl wie eine Mücke zum Elefanten. Weder von den Funktionen noch von der Gestaltung her gibt es große Unterschiede zu SchülerVZ bzw. StudiVZ (welche selbst oft als billige Kopie von Facebook bezeichnet werden). Kleines Detail am Rande: Als Schriftart wird Comic Sans MS
verwendet. Kurz zusammengefasst: Diese Seite ist nicht einmal annähernd ein Konkurrent zu SchülerVZ bzw. StudiVZ.
Das alles hindert Holtzbrinck aber keineswegs, eine Abmahnung wegen Verletzung der folgenden Rechte zuzustellen:
Inwiefern die Vorwürfe formaljuristisch berechtigt sind, kann ich nicht sagen. Rein als Laie betrachtet finde ich das ganze lächerlich. Markenrechtlich kann ich das alles nicht nachvollziehen. VZ selbst ist ein relativ generischer Begriff und damit eher nicht schutzwürdig. Zudem heißen die Holtzbrinck-Marken StudiVZ und SchülerVZ, nicht aber VZ alleine. Auch Markenrechts-Anwalt Alexander Taubitz, befragt von Spiegel Online sah das ähnlich.
Unlautere Wettbewerbshandlungen, die geeignet sind, den Wettbewerb zum Nachteil der Mitbewerber, der Verbraucher oder der sonstigen Marktteilnehmer nicht nur unerheblich zu beeinträchtigen, sind unzulässig.
Das besagt das UWG (Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb), auf welches ebenfalls verwiesen wurde. Wie bereits oben festgestellt ist Abitur-VZ im Vergleich zu den Holtzbrinck-Netzwerken so unbedeutend, dass es doch gar nicht den Wettbewerb erheblich beeinflussen kann.
Hintergrund ist meiner Ansicht nach, dass Holtbrinck das VZ wohl als Dachmarke etablieren will. Zur neuen Strategie gehört ein neues Netzwerk, welches Nicht-Studenten bedienen soll. Als Namen dafür kämen etwa FreundeVZ oder FriendsVZ in Frage, beide Domains wurden von StudiVZ bereits registriert. Möglicherweise wird es aber auch ein ganz anderer Name, den will man aber erst beim Start der neuen Community bekanntgeben.
Im Gegensatz zu Peter Großkopf von ErstiVZ will Abitur-VZ Betreiber Abidin Kekec aber zur Wehr setzen. Auf eine Mail-Anfrage antwortete er, dass er auf jeden Fall Rechtsbeistand aufsuchen und sicherlich nicht klein beigeben
wird. Weiters steht er mit einem Fernsehsender in Kontakt, welcher das Thema wahrscheinlich im Fernsehen bringen wird
. Damit würde das Thema eine größere Öffentlichkeit erreichen, jede Menge Negativ-PR für StudiVZ wären die Folge.
Hoffentlich gelingt es so, diesem Gebaren von StudiVZ bald ein Ende zu setzen, denn - egal ob formaljuristisch richtig oder nicht - dieses Verhalten ist nicht mehr akzeptabel. Nach unzähligen Pannen, vor allem mit dem Datenschutz, sollte StudiVz lieber auf sich selbst schauen, anstatt private Seitenbetreiber sinnlos abzumahnen ...
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