Der große Wettkampf der sozialen Netzwerke um Benutzer in Deutschland ist eröffnet! Die Macher von StudiVZ stellten letzte Woche mit großem Getöse ihr neues Netzwerk meinVZ vor. Zwei Tage danach wurde die deutschsprachige Version von Facebook gestartet.
StudiVZ war anfangs als reine Studenten-Plattform gedacht. Deswegen auch der Name StudiVZ. Bei der Registrierung musste schon immer die Stamm-Universität angegeben werden. Dennoch registrierten sich immer mehr Nicht-Studenten bei StudiVZ. So kam es, das StudiVZ wesentlich mehr Mitglieder hatte, als es Studenten im deutschsprachigen Raum gibt.
Das entging den StudiVZ-Machern natürlich nicht. Auch unter Nicht-Studenten gibt es offensichtlich einen Bedarf nach sozialen Netzwerken. Zugleich ist die Marke StudiVZ nicht geeignet, um die breite Masse anzusprechen. Deswegen musste ein neues Netzwerk her. Medien spekulierten über den Namen FreudeVZ oder FreundesVZ, schließlich wurde es aber meinVZ.
Genau genommen ist meinVZ aber kein neues Netzwerk. StudiVZ und meinVZ sind eigentlich ein gemeinsames Netwerk mit zwei Marken und zwei Eingängen
(so drückte es Geschäftsführer Marcus Riecke aus). Das Profil ist ein wenig anders aufgebaut (Angaben zu Job anstelle von Informationen zu Universität und Lehrveranstaltungen), und das Design bekam andere Farben verpasst (Orange statt Rot).
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Allerdings wäre es nicht StudiVZ, wenn alles so wäre, wie es sein sollte. So wurden zwischen meinVZ und StudiVZ einige, teils unnötige Barrieren aufgebaut. Manchen Benutzergruppen, die sogar noch in alten StudiVZ erstellen wurden, können Mitglieder jetzt nur noch beitreten, wenn sie zugleich auch meinVZ Mitglied sind. So wird eine Doppelmitgliedschaft quasi erzwungen (was meinVZ höhere Mitgliederzahlen und mehr potentielle Werbeeinnahmen bringt). Diese Verbindung mit meinVZ
kann später allerdings nicht mehr rückgängig gemacht werden, was fadenscheinig mit mehr Sicherheit
begründet wird. Abseits davon treten seitdem auch vermehrt (sehr aussagekräftig bezeichnete) allgemeine Fehler
auf und viele Benutzer sind aus mir unerklärlichen Gründen über die Suche nicht mehr auffindbar (obwohl ich mich mit meinVZ verbunden habe).
Resümee: meinVZ wurde zwar mit großen Tamtam angekündigt (in zahlreichen Medien, aber auch auf den beste Werbeplätzen von StudiVZ), das Ergebnis ist aber unspektakulär und noch nicht ganz ausgereift. Wie das neue meinVZ angenommen wird, bleibt abzuwarten. Die zahlreiche Kritik und Negativ-PR wegen des Gebarens von StudiVZ (Datenschutzprobleme, Abmahnungen, Domain-Grabbing, missglückte Geschäftsbedingungen, umstrittene Aussagen zur Herausgabe von Daten bei polizeilichen Ermittlungsersuchen) hat dem Erfolg bisher nicht nachhaltig schaden können.
Derzeit ist StudiVZ in deutschsprachigen Raum noch der klare Marktführer. Das möchten die Betreiber von amerikanischen Social Network Facebook jetzt ändern, indem sie eine deutsche Sprachversion starten (nach Englisch und Spanisch ist das erst die dritte unterstütze Sprache). Auch ohne dieser Sprachversion kam Facebook bisher auf faste eine Million Mitglieder aus Deutschland (im Vergleich dazu: StudiVZ hat etwa 8 Millionen Mitglieder).
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Besonders hohes Interesse zeigten deutsche Blogger an der Übersetzung von to poke
, was bei StudiVZ gruscheln
heißt. In der deutschen Facebook-Version wird das mit anstupsen
(= jemanden berühren, um Aufmerksamkeit zu erregen) übersetzt. Auch wenn anstupsen
im ersten Moment ungewohnt klingt, finde ich die Übersetzung besser als das gruscheln
(= grüßen + kuscheln).
Für die Übersetzung waren jedoch nicht Profis, sondern die Community zuständig. Bisher wurde allerdings nur das Kernangebot übersetzt - die Übersetzung zahlreicher Anwendungen von Drittanbietern steht noch aus. Nicht nur deswegen meint Nina Kress, dass sich meinVZ derzeit nicht vor dem amerikanischen Konkurrenten fürchten muss:
Durch die ungelenke und unvollständige Übersetzung wirkt die deutsche Seite oft lieblos hingeschludert. Ein wirklich großer Wurf ist das nicht. Dem größten deutschen Konkurrenten StudiVZ müssen jedenfalls nicht vor Angst die Knie schlottern. Der war dem Start der deutschen Facebook-Seite in der vergangenen Woche mit dem Start von meinVZ zuvorgekommen.
Tatsächlich hat Facebook natürlich sowohl Vor- als auch Nachteile. Zu den großen Vorteilen gehört die Internationalität (vor allem dann interessant, wenn jemand Freunde im Ausland hat) und zahlreiche Anwendungen von Drittanbietern (im Gegensatz dazu ist noch ein geschlossenes Netzwerk). Facebook gilt als technologisch überlegen, während StudiVZ (zu Recht) als eine Abkupferung von Facebook bezeichnet wird.
Zu den Nachteilen zählen hingegen die Übersetzung und ein deutlicher Rückstand bei den Mitgliederzahlen (Netzwerke sind erst dann attraktiv, wenn viele der Freunde bereits dort registriert sind - ein klassisches Henne-Ei-Problem). Zudem kann meinVZ mehr auf lokale Unterschiede eingehen. Beim Datenschutz etwa könnten auf Facebook noch gröbere Probleme zukommen. Lokal setzen sich oft eigene Netzwerke gegen internationale Netzwerke durch, wie auch eine Graphik von Le Monde zeigt. Wer sich schlussendlich im deutschsprachigen Raum durchsetzen wird, muss die Zukunft weisen ...
Anja Ebersbach, Markus Glaser, Richard Heigl
Produktbeschreibung von Amazon: Wikis, Blogs und Podcasts ermöglichen in zunehmendem Maße eine Interaktion zwischen den Besuchern einer Website und führen zur Bildung von Gemeinschaften - eine in den Massenmedien bisher nicht erreichte Partizipation. Ausgehend von der Geschichte des Internets und einer Definition des "Social Webs" werden zunächst dessen Erscheinungsformen vorgestellt, verglichen und eingeordnet. Darauf folgt eine Beschreibung der technischen Grundlagen sowie der auftretenden Gruppenprozesse und der gesellschaftlichen Bedeutung.
Sascha Häusler
Soziale Netzwerke im Internet:
Entwicklung, Formen und Potenziale zu kommerzieller Nutzung
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