Digg: Verkauf an Google oder Microsoft?
Digg.com, der Vorreiter im Bereich der Social News, steht angeblich vor einem Verkauf. Zu den Interessenten gehören u.a. Google und Microsoft, der Kaufpreis dürfte bei rund 200 Millionen Dollar liegen.
Der Vorreiter im Bereich der Social News, Digg.com, steht möglicherweise vor einem Verkauf. Das berichtet zumindest der meist gut informierte Blog TechCrunch in Berufung auf namentlich nicht genannte Insider. Zu den Interessenten zählen unter anderen Google und Microsoft.
Digg (ursprünglich Diggnation genannt) begann im Jahr 2004 als Experiment, an dem Kevin Rose, Owen Byrne, Ron Gorodetzky und Jay Adelson beteiligt waren. Eingereichte Nachrichten sollten durch die Community bewertet werden, sodass die Benutzer über die Zusammenstellung der News bestimmen können. Im Jahr 2005 erlangte Digg wachsende Bekanntheit, und damit auch das Konzept der Social News. Anfang 2006 verzeichnete Digg laut den Alexa-Daten einen ruckartigen Traffic-Anstieg. Ab Ende des Jahres kam es allerdings zu einem nachhaltigen Rückgang der Besucherzahlen.
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Für den Rückgang der Besucher waren vermutlich mehrere Gründe ausschlaggebend: Erstens dominieren nach wie vor technische Themen, die den durchschnittlichen Internetbenutzer gar nicht so sehr interessieren. Zweitens gibt es immer mehr Nachahmer, die mit Digg konkurrieren. Und drittens wird der Erfolg gewissermaßen zur Last: Mit zunehmender Bekanntheit wurde der Dienst auch für Spammer attraktiv, die via Digg neue Besucher auf ihre Seiten locken wollen. Eine Platzierung auf der Startseite von Digg bringt übrigens oft eine fünfstellige Besucherzahl.
Digg finanziert sich bislang über Werbung - seit 2005 mit Google Adsense, und im Sommer 2007 wurde ein Werbedeal mit Microsoft angeschlossen. Die Community ist aber nach wie vor in privatem Besitz - ganz im Gegensatz zu anderen Web 2.0
-Pionieren wie Youtube, MySpace, Feedburner, last.fm oder Flickr, welche längst verkauft worden sind. Das könnte sich schon bald ändern, denn angeblich wird ein Verkauf vorbereitet.
Zu den Interessenten zählen laut Michael Arrington von Techcrunch die Internetriesen Google und Microsoft sowie zwei Medienkonzerne (eventuell Rupert Murdochs News Corporation?). Google soll angeblich bereit sein, etwas über 200 Millionen Dollar auf den Tisch zu legen. Microsoft hofft hingegen, immerhin haben sie bereits einen Werbevertrag mit Digg abgeschlossen, auf einen niedrigeren Preis. Da CEO Steve Ballmer groß angekündigt hat, dass Microsoft den Konkurrenten Google im Internet einholen will, wäre die Akquisition von Digg durch den Konzern aus Redmond besonders wichtig - insbesondere dann, wenn die Übernahme von Yahoo endgültig scheitern sollte.
Während letztes Jahr noch von einem möglichen Verkaufspreis von 300 Millionen Dollar die Rede war, soll Digg jetzt angeblich bereit sein, einen Preis unter den genannten 300 Millionen Dollar zu akzeptieren. Wenig erfreut wären allerdings die Mitglieder von Digg - viele wollen nicht, dass die Community in den Besitz von Google oder Microsoft kommt und kündigten für diesen Fall ihren Abgang an.
Sowohl Google als auch Microsoft Live hätten im Falle einer erfolgreichen Übernahme die Möglichkeit, Bewertungen und Daten von Digg in ihre Suchergebnisse einfließen zu lassen. Denn eines Tages wird jede Suchmaschine in irgendeiner Weise Benutzer-Wertungen in die Rankings einfließen lassen. Diese Bewertungen sind, wenn es gelingt, Manipulationen zu verhindern, qualitativ besser als jeder noch so durchdachte Algorithmus.
Update: Laut TechCrunch wurde im Juli 2008 eine Absichtserklärung zwischen Google und Digg unterzeichnet, nach der die Website um rund 200 Millionen Dollar den Besitzer wechseln sollte. Wenige Tage später wurde jedoch berichtet, dass sich Google aus dem Geschäft zurückgezogen hat, und eine Übernahme derzeit vom Tisch ist. Grund dafür sind angeblich persönliche Differenzen mit der Digg-Geschäftsführung.
Artikel veröffentlicht am 07. März 2008 | Tweet