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Alexa überarbeitet Traffic-Ranking

Es liegt in der Natur des Menschen, sich stets - bewusst sowie unbewusst - mit seinen Mitmenschen zu messen und zu vergleichen. Im Internet kann ein Website-Betreiber zwar seine eigenen Reichweiten genauer messen als das je bei einem anderen Medium möglich war - aber wie man im Vergleich zur Konkurrenz da steht, lässt sich meist nur schwer sagen.

Deswegen klammern sich Interessierte an mehr oder weniger aussagekräftige, öffentlich einsehbare Indikatoren für den Erfolg einer Website. In dieser Sicht ist der Pagerank nach wie vor das (überbewertete) Maß aller Dinge. Daneben existieren aber noch eine Vielzahl anderer beliebter Maßzahlen, wie etwa die Zahl der Backlinks, das Technorati-Ranking, die Feed-Abonnenten bei Feedburner, Bewertungen von Diensten wie etwa Seitwert oder das Alexa Traffic-Ranking (meist nur als Alexa Ranking bezeichnet).

Das Alexa-Ranking basiert auf einer Reichweiten-Analyse, ähnlich wie auch Compete und Quantcast (die allerdings nur für englischsprachige Seiten vernünftige Zahlen liefern). Bisher bezog Alexa seine Daten ausschließlich über die Alexa Toolbar, welche Informationen über das Nutzungsverhalten übermittelt. Die Toolbar wird daher auch von vielen Anti-Spyware-Dienstleistern als Spyware klassifiziert - die Übermittlung der Daten erfolgt zwar mit dem Einverständnis des Benutzers, allerdings gibt aus Datenschutz-Sicht dennoch Anlass zur Kritik , u.a. weil nicht bekannt ist, in welcher Form und wie lange die Daten gespeichert bleiben.

Per 15. April 2008 hat Alexa ein überarbeitetes Ranking veröffentlicht, welches laut Angaben der Entwickler mehrere verschiedene Datenquellen benutzt. Da diese Quellen nicht näher spezifiziert wurden, ist eine methodische Beurteilung der neuen Ranking-Methode nicht möglich. Hintergrund der Umstellung dürfte laut Analysten die abnehmende Verbreitung der Toolbar sein (offizielle Zahlen gibt allerdings seit 2003 keine mehr, damals war von 180000 aktiven Benutzern die Rede), wozu u.a. die Spyware-Vorwürfe und abnehmende Nutzung des Internet Explorers beigetragen haben (für IE6 wurde die Alexa-Toolbar u.a. mit dem Popup-Blocker beworben, welcher längst obsolet geworden ist).

Aussagekraft des Alexa-Rankings

Eine überwiegende Zahl der Berichte spricht von einer deutlichen Verbesserung und somit einer gestiegenen Aussagekraft des Alexa-Rankings. Das macht sich u.a. daran bemerkbar, dass kurzzeitige Trafficspitzen ausgebügelt wurden und viele Webmaster/SEO-Seiten (die ein Publikum haben, in dem es überdurchschnittlich viele Alexa-Toolbar-Nutzer gibt) realistischer eingestuft werden. Zahlreiche Änderungen lassen sich bei WhatsYourPlace nachvollziehen.

Übermäßige Begeisterung ist aber keineswegs angebracht. Die Daten sind nach wie vor unzuverlässig, wie der folgende Vergleich zwischen zwei meiner Seiten zeigen soll. Pixelfolk hat pro Tag nie mehr als 500 Besucher erreicht. Im Vergleich dazu steht eine andere Seite XYZ, aus einem ganz anderen Themenbereich, und mit rund 5000 Unique Visitors täglich. Die Besucherzahlen wurden beide mit Google Analytics gemessen, dem Publikum der Seite XYZ unterstelle ich durchschnittliche Internet-Affinität. Bei Alexa sieht das so aus:

Alexa-Website-Vergleich

Die Original-Darstellung wurde vertikal gekürzt, die relevanten Daten sind jedoch unverändert geblieben.

Obwohl Seite XYZ im Durchschnitt 20-mal so viele Besucher hat, sind die beiden Vergleichsseiten laut Alexa nahezu gleichauf. Die Alexa-Daten spiegeln in diesem Fall nicht einmal annähernd die Realität wider.

Auch wenn die Alexa Toolbar nicht mehr die einzige Datenquelle ist, bleibt das Alexa Ranking anfällig für Manipulationen. Das ist vor allem für Werbetreibende problematisch, die Alexa-Angaben als Anhaltspunkt für die Reichweite einer Website verwenden, um die Eigenangaben eines potentiellen Publishers zu überprüfen.

Ich will dem Alexa-Ranking definitiv nicht seine Daseinsberechtigung absprechen. Zum Erkennen eines Trends oder für einen groben Vergleich von zwei Seiten mit ähnlicher Zielgruppe reicht es, und schlechter als andere Erfolgs-Indikatoren wie Pagerank oder Technorati-Rank ist der Alexa-Rank auch nicht. Aber niemand sollte den Fehler machen, nach der von vielen Seiten gelobten Änderung des Rankings die Daten als realitätsgetreu einzustufen.

Veröffentlicht am 20.04.2008.

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