Das Bewertungssystem der Auktionsplattform eBay soll dabei helfen, seriöse Käufer bzw. Verkäufer zu erkennen, um negative Erfahrungen zu vermeiden. Nun hat eBay zahlreiche Änderungen am Bewertungssystem durchgeführt, welche für Unmut unter manchen eBay-Mitgliedern sorgen.
Eine der wichtigsten Voraussetzungen für Geschäfte, insbesondere über das Internet, ist das gegenseitige Vertrauen der Beteiligten. Das hat natürlich auch eBay schon vor langer Zeit erkannt und ein Bewertungssystem eingeführt. Dieses soll helfen, vertrauenswürdige Mitglieder von Betrügern zu unterscheiden.
Das Bewertungssystem der Auktionsplattform war bisher einfach verständlich und relativ transparent: Es gab positive, neutrale und negative Bewertungen. Käufer konnten Verkäufer bewerten, und umgekehrt. Allerdings gab es immer wieder ein Problem: Rachebewertungen. Erhielt ein Verkäufer eine schlechte Bewertung, so konnte es passieren, dass der bewertende Käufer aus Rache ebenfalls eine negative Bewertung bekam.
Diese gelegentlichen Rachebewertungen haben eBay veranlasst, eine einschneidende Änderung am Bewertungssystem vorzunehmen. Seit Mitte dieser Woche können Verkäufer einen Abnehmer von Waren nur noch positiv oder neutral bewerten. Negative Bewertungen an Käufer wurden damit ersatzlos gestrichen. In der offiziellen Mitteilung wird das von eBay folgendermaßen begründet:
Mit der Weiterentwicklung des Marktplatzes hat sich das Bewertungsverhalten der eBay-Mitglieder verändert und Käufer haben aus Angst vor Rachebewertungen selbst bei einer schlechten Kauferfahrung oft nicht ehrlich bewertet. Dies erschwerte anderen Käufern, zwischen wirklich guten und weniger vertrauenswürdigen Verkäufern zu unterscheiden. Zudem haben viele Käufer, die einmal eine negative Bewertung aus Rache erhalten haben, dem eBay-Marktplatz den Rücken gekehrt. Dies schadet letztlich den Verkäufern bei eBay und dem gesamten Marktplatz.
Mit den Veränderungen am Bewertungssystem sorgen wir nun dafür, dass es auch weiterhin das vertrauensbildende Instrument beim Handel auf eBay bleibt. Aber wir tragen auch den allgemeinen Entwicklungen im E-Commerce Rechnung, wo üblicherweise nur der Verkäufer bewertet wird. Dass nun auch neutrale Bewertungen in die Berechnung des Anteils positiver Bewertungen einbezogen werden, ist ein weiterer logischer Schritt, tatsächliche Kauferfahrungen im Bewertungssystem zu erfassen. Damit wird die Anzahl negativer Kauferfahrungen kontinuierlich zurückgehen.
Die Änderung sorgt für Verärgerung vieler Anbieter bei eBay. Diese hätten somit kein Mittel mehr gegen Spaßbieter in der Hand und seien der Willkür der Käufer ausgeliefert, so der allgemeine Tenor. Die Warnung anderer Verkäufer vor diesen Käufern sei kaum noch möglich, nur die wenigsten machen sich die Mühe die Bewertungstexte vollständig durchzulesen.
Damit aber nicht genug: Zur Errechnung des Prozentsatzes positiver Bewertungen werden nun auch neutrale Bewertungen herangezogen, welche früher ausgeklammert wurden. Jemand mit 95 positiven, 5 neutralen und 0 negativen Bewertungen hatte früher eine Wertung von 100%, jetzt sind es nur noch 95%. Das Vertrauen in solche Verkäufer sinkt, obwohl keine negativen Bewertungen vorliegen. Auch der Verlust des Powerseller-Status droht, weil hierfür mindestens 98% positive Bewertungen erforderlich sind. Neutral
ist somit quasi das neue negativ
. Die Funktion der neutralen Bewertung - also weder positiv, noch negativ - geht somit verloren. Ein beachtlicher Transparenz-Verlust ist die Folge.
Darüber hinaus gibt es aber noch einige weitere Detail-Änderungen: Herangezogen werden nur noch Bewertungen der letzten 12 Monate, Bewertungen können nur noch innerhalb von 60 Tagen (statt 90) nach Geschäftsabschluss abgegeben werden. Die einvernehmliche Rücknahme vergebener Bewertungen ist ab sofort auch nicht mehr möglich. Zudem werden die abgegebenen Bewertungen gesperrter Benutzer gelöscht.
Trotz zahlreicher Unmutsäußerungen von Verkäufern gibt es durchaus positive Äußerungen - die kommen von Käufern, die bereits Erfahrungen mit Rachebewertungen gemacht haben. Allerdings stellt sich die Frage, ob eBay es nicht verabsäumt hat, bessere Methoden gegen Rachebewertungen zu finden, welche für beide Seiten akzeptabel gewesen wären? Beispielswiese, dass der Verkäufer immer zuerst bewerten muss. Tut er das nicht innerhalb einer gewissen Zeitspanne, verwirkt er sein Recht auf eine Bewertung und der Käufer ist am Zug. Oder dass die Bewertung erst sichtbar wird, sobald beide bewertet haben, was ebenfalls innerhalb einer angemessenen Zeitspanne passieren muss ...
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