Mit der .tel-Domain wurde nach einer langen Vorlaufphase die oft diskutierte Telefonbuch-Domain
eingeführt. Eine Blick auf die Idee hinter der neuen Domain sowie eine kurze Analyse möglicher Vor- und Nachteile.
Nach langer Vorlaufzeit startete am Dienstag dieser Woche die allgemeine Registrierphase für die neuen .tel-Domains. Hierbei handelt es sich jedoch nicht um irgendeine weitere generische Top-Level-Domain (gTDL). Die Einführung von .tel-Domains wurde bereits 2006 von der ICANN beschlossen. Sie sollen Telefon und Internet verschmelzen
.
Hinter einer .tel-Domain steckt keine Website im herkömmlichen Sinne, welche ein Website-Betreiber frei gestalten könnte. Es handelt sich eher um eine standardisierte Visitenkarte. Über ein Online-Interface kann der Domain-Inhaber verschiedene Kontaktdaten einpflegen. Die fertige Visitenkarte sieht dann in etwas so aus wie telnic.tel und ist auch als vCard verfügbar.
Das Kaufargument von Telnic, welches auch in diesem Werbevideo sehr plakativ dargestellt wird: Es reicht aus, die .tel-Domain von jemanden kennen, diese lassen sich einfacher austauschen und leichter merken als herkömmliche Telefonnummern. Handyhersteller (oder Drittanbieter von Software) könnten auch entsprechende Funktionen implementieren, um nach der Adressangabe eine direkte Telefonverbindung herzustellen. Die notwendigen APIs gibt es bereits.
Ich bin eher skeptisch, ob eine .tel-Domain die jährliche Gebühr wert ist. Schließlich kann jeder mit HTML-Grundkenntnissen eine derartige Visitenkarte auch unter einer günstigeren Domain à la thomasgraf.at online stellen. Mit der Einbettung einer vCard wäre für internetfähige Telefone auch ein direktes Verbinden mit einer Telefonnummer möglich. Einen Mehrwert in der neuen Domain sehe ich frühestens dann, wenn die Idee hinter der .tel-Domain der breiten Öffentlichkeit bekannt ist.
Ein weiteres Problem ist der Datenschutz. Spammer und Adressensammler können hier automatisiert auf eine große Ansammlung von Kontaktdaten zugreifen.
Bezüglich der Suchmaschinenoptimierung sehe ich keine Vorteile, solange Google .tel-Domains keinen besonderen Stellenwert einräumt (was ich nicht erwarte). Es gibt zwar Nutzungsmöglichkeiten für SEOs, das kann ein Website-Betreiber aber auch unter einer günstigeren Domain mit weniger Einschränkungen machen.
Ob .tel-Domains in Zukunft einen besonderen Stellenwert haben werden, wird sich erst zeigen. Das hängt stark von Handyherstellern, Mobilfunkbetreibern (und der damit verbundenen Bekanntheit der Domain) ab. Telnic konnte jedenfalls schon 100.000 registrierte Domains vermelden. Darunter sind allerdings mit Sicherheit viele Firmen, die nur Domaingrabbern vorgreifen wollten. Und natürlich Domainhändler, die sich ein paar gute Namen sichern wollten, ohne diese ersthaft zu nutzen ... Gute Beiträge zum Thema gibt es übrigens auch bei der New York Times und dem netten SEO.
Beiträge zum Thema bei Rivva mitverfolgen.
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Jürgen, vielen Dank für deinen umfangreichen Kommentar.
Meine Aussagen basierten allerdings auf der Annahme, dass man gewisse Grundkenntnisse mitbringt. Für alle anderen könnte man genauso ein großes Webprojekt einrichten à la www.tel.org/name. Einen Vorteil aus der SEO-Sicht kann ich definitiv nicht erkennen, aber vielleicht kannst du das noch mit Argumenten belegen.
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