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AOL kauft soziales Netzwerk Bebo

AOL kauft Bebo um 850 Millionen Dollar und steigt damit in den Markt für soziale Netzwerke ein. Bebo hat etwa 40 Millionen registrierte Mitglieder und ist vor allem in Europa stark verbreitet.


Soziale Netzwerke (Social Networks) sind schon längst ein fester Bestandteil des Internets geworden. Sie ziehen Millionen Nutzer an und sind daher auch für die Werbewirtschaft attraktiv (auch wenn dieses Potential bisher nicht gänzlich ausgeschöpft wird). Deswegen bemühen sich sämtliche Big-Player um eine bedeutende Rolle in diesem Markt.

Die Strategien sind dabei relativ unterschiedlich. Google etwa hat mit der Eigenentwicklung Orkut schon seit Jahren eine (in Asien und Südamerika) erfolgreiche Plattform. Rupert Murdochs Medienkonzern News Corporation kaufte MySpace. Microsofts Live Spaces konnte sich nie durchsetzen, dafür kaufte man teure Anteile an Facebook, um sich Rechte als Vermarkter zu sichern.

Nun hat auch AOL, ein Tochterunternehmen des Medienkonzerns Time Warner, zugeschlagen. Für den Preis von 850 Millionen Dollar wurde das soziale Netzwerk Bebo gekauft. Bebo wurde im Jahr 2005 gegründet und ist in den Sprachen Englisch, Deutsch, Französisch und Polnisch verfügbar. Bereits letztes Jahr bemühte sich Yahoo um eine Übernahme - und obwohl Yahoo sogar eine Milliarde Dollar bot, kam das Geschäft nicht zustande.

Hierzulande ist Bebo nicht sonderlich bekannt - europaweit aber derzeit noch das führende Netzwerk. Auch in Ozeanien ist Bebo beliebt, in Nordamerika jedoch hinter MySpace und Facebook abgeschlagen auf Platz 3. Weltweit sollen rund 40 Millionen Benutzer registriert sein. Hohes Ansehen genießt das soziale Netzwerk vor allem bei Teenagern. Im Gegensatz zum stagnierenden MySpace konnte Bebo laut comScore im letzten Jahr bei den Besuchszahlen um 60% zulegen.

Aus meiner Sicht ist Bebo irgendwie ein Mittelding zwischen MySpace und Facebook. Auf der einen Seite positioniert sich Bebo ebenso wie MySpace als Plattform für Videos und Musik, und ermöglicht individuelle Anpassung der Profile (welche weitestgehend öffentlich sind). Von der Struktur her wirkt es aber wesentlich geordneter als MySpace und geht mehr in Richtung Facebook.

Bebo Benutzerprofil

Für den langfristigen Erfolg von Bebo muss sich AOL um eine aktive Weiterentwicklung des Netzwerkes kümmern - in der Vergangenheit ist schon die eine oder andere übernommene Seite verkümmert (bestes Beispiel: DMOZ). Gerade im Bereich der Social Netwerks ist das, trotz Netwerk- und Lock-In-Effekten notwendig, weil es sich hierbei um einen sehr kompetitiven Markt handelt. Das einst führende Netzwerk Friendster wurde schnell von Orkut und MySpace überholt, und MySpace wird in nächster Zeit von Facebook abgelöst werden. Von besonderer Bedeutung wird es auch sein, ob eine Differenzierung zu MySpace und Facebook gelingt. Als erste Neuerung wurde die Integration des AOL Instant Messengers (AIM) angekündigt. Weitere lesenwerte Kommentare zum Kauf gibt es übrigens bei Read Write Web und Silicon Alley Insider.

Ein interessantes Detail am Rande: Im Jahr 2003 bot Google für Frienster, welches bis 2004 als das größte soziale Netzwerk galt, gerade einmal 30 Millionen Dollar. Das Angebot wurde damals aber abgelehnt. Murdoch hat MySpace um, aus heutiger Sicht sehr günstige, 580 Millionen Dollar erworben. Für Facebook wird bereits ein Preis von 15 Milliarden kolportiert. Als preisgünstigere Übernahmekanidaten kämen noch Skyrock, Hi5 und Netlog in Frage.

Veröffentlicht am 15.03.2008.

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