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BILD-Zeitung verwendet Daten aus StudiVZ

Skandale rund im die BILD-Zeitung gibt es zur Genüge; die von StudiVZ sind auch nicht gerade wenige. Jetzt haben es die beiden gemeinsam in die Schlagzeilen geschafft: Wie die TAZ berichtet, verwendet die BILD-Zeitung illegal Fotos sowie Daten aus StudiVZ für ihre fragwürdige Berichterstattung. Von StudiVZ wird das offenbar geduldet.

In den guten Zeiten, als man das Wort Web 2.0 noch nicht kannte, mussten Boulevardblätter wie die BILD aufwändige Recherchen betreiben, um an Fotos oder Details aus dem Privatleben zu kommen. Doch der Fortschritt soll die Arbeit erleichtert - und so gesehen sind soziale Netzwerk wohl sehr fortschrittlich. In Netzwerken wie etwa StudiVZ finden Redakteure oft mit wenigen Klicks, was sie begehren. Recherche 2.0 sozusagen.

Die TAZ führt zwei konkrete Fälle an, welche dieses Jahr vom BILDBbog dokumentiert wurden: In einem Bericht über den dramatischen Horror-Anflug des Lufthansa-Airbus LH 044 wurden Fotos der schönen Co-Pilotin Maxi J. veröffentlicht, welche in deren StudiVZ-Fotoalbum gefunden wurden. Bildquelle Internet. Auch andere Details, wie Interessen oder frühere Aussagen wurden für die Berichterstattung verwendet.

Auch in einem anderen Fall bedienten sich die Redakteure, vermutlich ohne Zustimmung, an Fotos aus dem Holtzbrinck-Netzwerk SchülerVZ. Nach dem tragischen Tod eines Mädchens, das nach einem Zusammenstoß auf der Skipiste starb, wurde ein Portrait abgedruckt, auf dem sogar die typische Markierung von SchülerVZ/StudiVZ zu erkennen ist. Aufgrund der hohen Anzahl der Kontakte im Netzwerk wurde das Mädchen als beliebt charakterisiert, Lieblings- und Hassfächer wurden ebenso zitiert.

Von Einzelfällen ist dabei nicht auszugehen. Besonders pikant an der Sache: Die Recherche-Praktiken der BILD-Redakteure widerspricht eindeutig den Nutzungsbedingungen dieser Netzwerke. Bei StudiVZ weiß man von diesen Problemen, und dennoch schauen die Verantwortlichen nur tatenlos zu. Rechtliche Schritte oder andere Maßnahmen wurden bisher nicht eingeleitet, und das obwohl man dort nicht gerade zimperlich ist, wenn die eigenen Interessen bedroht sind. Gegenüber der TAZ erklärte die Pressestelle:

Die journalistische Verwertung von Bildern aus StudiVZ ist nicht in unserem Interesse. Das steht auch eindeutig in unseren AGB. Wird dennoch ein Foto von einem unserer Nutzer zu diesem Zweck unautorisiert verwendet, so handelt es sich hierbei um eine Verletzung der Urheberrechte. Der Nutzer kann gegen das entsprechende Medium vorgehen.

Es bleibt also dem einzelnen Mitglied überlassen, auf sein Risiko und auf seine Kosten rechtlich gegen die BILD-Zeitung vorzugehen. Wenn die AGB eines Dienstes eine derartige Nutzung untersagen, erwarte ich mir vom Betreiber eigentlich auch, dass er so gut wie möglich für die Einhaltung sorgt. Denn sonst verspielt er sämtliches Vertrauen, ihm Daten oder Fotos anzuvertrauen. Für ein Netzwerk, welches ausdrücklich verlangt, dass Mitglieder am Profilfoto als Person erkennbar sein muss (oder alternativ gar kein Profilfoto verwendet), finde ich das nicht in Ordnung.

Studenten, oder gar Schüler, die sicher besseres zu tun haben, als sich mit einem großen Medienkonzern anzulegen, werden einfach im Stich gelassen. Aber klar, ich verstehe schon: Als Verantwortlicher würde ich es mir auch nicht gerne mit der BILD-Zeitung verscherzen, denn Anlässe für eine schlechte Berichterstattung gibt es zur Genüge. Und was ist die Moral von der Geschichte? Geht mit euren Daten sorgsam und, wie schon die BILD-Zeitung warnte, lassen Sie sich nicht ausschnüffeln!

Veröffentlicht am 28.03.2008.

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