Facebook integriert Instant Messaging
Die Entwicklung von Facebook schreitet weiter voran. Facebook Chat, ein integrierter Instant Messenger, macht Facebook zu einer Kommunikations-Zentrale. Die Mitglieder sollen so noch näher an das soziale Netzwerk gebunden werden.
Im privaten Bereich wird das Internet überwiegend als Informationsquelle und Kommunikationsmedium benutzt. Letztgenanntes manifestiert etwa in der steigenden Zahl an sozialen Netzwerken (social networks
) und der zunehmenden Nutzung von Instant Messaging (sofortige Nachrichtenübermittlung
). Daher wäre es eigentlich naheliegend, soziale Netzwerke und Instant Messenger zu verknüpfen. Dennoch haben sich bisher derartige, vorwiegend inoffizielle Lösungen, nicht durchsetzen können.
Bei MySpace wird schon seit längerer Zeit der proprietäre Messenger MySpaceIM mit integrierten Skype als Desktop-Software angeboten. Genaue Benutzerzahlen waren leider nicht aufzutreiben, die Verbreitung dürfte aber im Vergleich zur Konkurrenz bescheiden sein. Überzeugen kann MySpaceIM nicht, denn MySpaceIM ist derzeit nur ein Instant Messenger neben vielen. Die Integration in MySpace ist mangelhaft und auch sonst gibt keine Innovationen (und somit auch keinen Grund, noch einen weiteren Messenger zu installieren).
Schon seit Wochen gibt es Spekulationen sowie unbestätigte Nachrichten über einen offiziellen Facebook-Messenger, die sich nun bewahrheitet haben: Benutzer in ausgewählten Facebook-Netzwerken können den Messenger bereits testen, offizieller Name ist Facebook Chat. Ganz im Gegensatz zu MySpaceIM handelt es sich hierbei um keine Desktop-Software. Facebook Chat ist direkt in die Facebook-Oberfläche integriert, es wird also über den Browser gechattet. Wie das ganze aussieht und welche Funktionen es gibt, ist bei Inside Facebook zu sehen.
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Bisher fand die Kommunikation zwischen Mitglieder auf Facebook hauptsächlich asynchron mittels privaten Nachrichten und über die öffentliche Pinnwand statt. Quasi-synchrone Kommunikation und schnelle Kontaktaufnahme war bisher nicht möglich - diese Lücke haben die Entwickler mit Facebook Chat geschlossen.
Bei der Integration haben aber vermutlich noch andere Überlegungen mitgespielt. Dieser Schritt wird vor allem die Online-Zeiten auf Facebook erhöhen und die Mitglieder noch enger an die Plattform binden. Facebook wird zu einer echten Kommunikations-Zentrale, womit auch dem Facebook-Überdruss entgegen gewirkt werden soll. Zweinull.cc geht sogar noch weiter und prophezeit dem Netzwerk einen zweiten Frühling.
Die Bekanntmachung bei Facebook lässt allerdings viele Frage offen. Etwa, wann der Instant Messenger für alle frei verfügbar sein. Oder ob, und wann eine Chat API oder Jabber-Unterstützung kommen soll. Zur Jabber-Unterstützung gibt es bisher widersprüchliche Angaben. Während Matt Cohler von Facebook vor einigen Wochen Jabber-Unterstützung angekündigt hat, meldete TechCruch letzen Monat, dass das offene Chat-Protokoll vorerst nicht unterstützt werden wird. Die Frage aller Fragen, wie die Benutzer den Chat annehmen und benutzen werden, wird sowieso erst die Zeit beantworten.
Aus meiner Sicht ist der Chat, aus den oben genannten gründen, eindeutig eine positive Weiterentwicklung. Konkurrent Bebo, vor kurzem von AOL gekauft, wird jedenfalls nicht mehr durch den geplanten Einbau des AOL Instant Messengers (AIM) punkten können. Auch Gegenüber den lokalen Konkurrenten aus Deutschland, StudiVZ, macht Facebook Boden gut - während Facebook immer wieder Innovationen bringt, gab es bei StudiVZ abgesehen von MeinVZ in der jüngeren Vergangenheit nicht viel Neues.
Artikel veröffentlicht von Thomas Graf am 11. April 2008 | Tweet