In einem Interview mit dem FAZ-Netzökonomen
Holger Schmidt spricht der Geschäftsführer von StudiVZ über die Zukunftspläne von StudiVZ. StudiVZ will neue Einnahmequellen erschließen, indem sich das Netzwerk in Richtung Social-Commerce entwickelt. Als neue Funktionen wurden zudem ein Chat sowie ein Terminplaner angekündigt.
StudiVZ und seine Schwester-Netzwerke MeinVZ sowie SchülerVZ zählen mittlerweile fast 11 Millionen registrierte Mitglieder. Damit sind die sozialen Netzwerke aus dem Hause Holtzbrinck klarer Marktführer im deutschsprachigen Raum. In einem Interview mit dem Netzökonomen Holger Schmidt spricht Marcus Riecke, Geschäftsführer von StudiVZ, über die Zukunftspläne von StudiVZ.
Als Wachstumsziel werden 14 Millionen registrierte Benutzer bis Ende 2008 ausgegeben. Eine machbare Zahl, sofern das bisherige Tempo des Wachstums aufrechterhalten werden kann (+7 Millionen innerhalb eines Jahres, laut Unternehmensangaben). Riecke bezeichnet das Wachstum als geplant
, es sei keine Eintagsfliege
und werde auch weiterhin anhalten.
Während das Wachstum Anlass zur Freude ist, trifft das auf die Monetarisierung der Netzwerke nicht zu. Wie auch bei anderen Web2.0-Portalen gibt es hierbei gewisse Probleme. In diesem Punkt beschwichtigt Riecke, 2008 habe die Monetarisierung nicht oberste Priorität. Zugleich muss der StudiVZ-Geschäftsführer eingestehen, dass auch dieses Jahr die Netzwerke in Summe nicht profitabel sein werden — obwohl dies in früheren Interviews als klares Ziel deklariert wurde. Ab 2009 sollen jedoch die Umsätze verdreifacht, und somit eine achtstellige Summe
umgesetzt werden.
Dies wird allerdings nicht allein mit Werbeeinblendung zu erreichen sein. Selbst Riecke spricht mittlerweile davon, dass herkömmliche Werbung in einem Umfeld privater Kommunikation
als störend empfunden wird. StudiVZ ist daher auf der Suche nach alternativen Modellen, um vom Nutzer gewollte Werbung
zu platzieren. Hierfür will sich StudiVZ scheinbar in Richtung Social-Commerce entwickeln.
Das beste Beispiel für ein funktionierendes Modell ist unsere Kooperation mit Brands4Friends. Diese Community-Vermarktung werden wir ganz stark ausbauen. Das hat mit klassischer Werbung wenig zu tun. Auf StudiVZ gibt es zum Beispiel eine Gruppe mit 90000 Nutzern, die gerne billig Markenprodukte kaufen wollen. Dort lässt sich Online-Marketing leicht ansetzen, denn das Nutzerinteresse deckt sich exakt mit dem Angebot. Diese Mitglieder empfehlen sich gegenseitig, wo es die besten Schnäppchen gibt. Das geht in die Richtung Social Shopping. [...] Der Erfolg der Shopping-Gruppe wird von den Nutzern getrieben. Der Versuch, die Nutzer mit Werbung zu nerven, kann dagegen nur schief gehen. Die Display-Werbung wird daher nur einen Sockel unserer Einnahmen ausmachen. Perspektivisch geht es um den Ausbau dieser Social-Commerce-Angebote.
Jochen Krisch von Exciting Commerce sieht darin auch den wahren Grund, warum sich StudiVZ nicht an OpenSocial beteiligen will. Mit OpenSocial könnten sich E-Commerce-Dienste selbst kostenfrei in StudiVZ integrieren — ohne OpenSocial hat StudiVZ jedoch die Möglichkeit, die Integration von Drittanbietern zu kontrollieren und dafür Gebühren zu verlangen.
Den - verglichen mit Facebook - geringen Funktionsumfang von StudiVZ erachtet Riecke nicht als entscheidenden Nachteil, denn die Nutzer wollen gar nicht 100000 neue Funktionen, wie die Blogger immer vermuten
. Stattdessen würden die Kernfunktionen verbessert, was angeblich sehr gut ankomme. Zudem kündigte der StudiVZ-CEO zwei neue Funktionen an: Einen Terminplaner sowie einen Chat (Konkurrent Facebook hat bereits vor einiger Zeit einen eigenen Messenger integriert). Weiters soll die mobile Nutzung der Netzwerke ermöglicht werden, eine Expansion im Ausland sei aber nicht geplant, und der Klage von Facebook sehe man weiterhin gelassen entgegen.
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