Pixelfolk > eBay Relevance Ads mit neuem Vergütungsmodell

eBay Relevance Ads mit neuem Vergütungsmodell

Bei den beliebten eBay Relevance Ads tritt per 1. April 2008 ein neues Vergütungsmodell in Kraft. EBay spricht von Verbesserungen, aber tatsächlich müssen die meisten Programmteilnehmer mit einem spürbaren Einnahmenrückgang rechnen.


Google Adsense gilt ist das populärste Partnerprogramm, das es für Betreiber von kleinen bis mittelgroßen Websites gibt. Doch nicht alle sind damit zufrieden - das System ist intransparent, die Einnahmen schwanken stark und seit Herbst 2007 ist melden auch zahlreiche Publisher geringere Per-Klick-Preise (CPC), was allerdings nur teilweise mit dem schwachen Dollarkurs zu tun hat. Aus diesen gründen suchen viele nach guten Alternativen, um ihren Webauftritt zu monetarisieren.

Eine dieser Alternativen war das eBay-Partnerprogramm eBay Relevance Ads. Bisher konnte man damit 15 Cent pro Klick sowie weitere Lead/Sale-Provisionen verdienen. Damit es jetzt aber für viele Schluss, denn per 1. April 2008 wird das Vergütungsmodell geändert. Und zwar so, dass es für die meisten Teilnehmer des Partnerprogramms zu Verschlechterungen kommen wird.

Provisionen abhängig von Traffic-Qualität

Als ich gestern die Ankündigung per E-Mail bekam, war ich im ersten Moment positiv überrascht. Im Titel hieß es ebay Relevance Ad: Jetzt bis zu 18 Cent pro Click verdienen!. Mit den Änderungen käme man den Wünschen der Nutzer entgegen und belohne damit Teilnehmer mit hoher Tarffic-Qualität - mit dem neuen Modell können Sie bis zu 20% mehr Klickvergütung erzielen schreiben die Verantwortlichen. Doch der Teufel liegt in den Details.

Die Traffic Qualität wird mit den eRA-Qualitätsindex (eQI) bemessen. Dieser ist einfach auszurechnen: (Anzahl Gebote + Sofortläufe) / Klicks * 100, gemessen an den Daten der letzten 6 Wochen vor Monatsanfang. Also einfach die prozentuelle Conversion-Rate, allerdings ohne den lukrativen Neuanmeldungen. Die Auszahlung pro Klick hängen folgendermaßen vom eQI ab:

Stufe eQI CPC
1. bis 3 0,01 EUR
2. 3 - 4 0,02 EUR
3. 4 - 5 0,03 EUR
4. 5 - 6 0,06 EUR
5. 6 - 7 0,09 EUR
6. 7 - 8 0,12 EUR
7. 8 - 9 0,15 EUR
8. ab 9 0,18 EUR

Wichtig zu beachten: Seiten mit weniger als 100 Klicks in den letzten 6 Wochen, werden automatisch auf Stufe 4 (CPC 6 Cent) gestellt. Für kleine Nischenseiten wird das Partnerprgramm also sehr unattraktiv.

Prinzipiell spricht nichts gegen Vergütungsmodelle, welche die Traffic-Qualität berücksichtigen. EBay ist schließlich auch nicht auf den Kopf gefallen und zahlt keine 15 Cent, wenn die Besucher dann sowieso die Seite gleich wieder verlassen. Dennoch werden bei diesem Modell die meisten Teilnehmer verlieren, wenn man sich die Stimmen zum neuen Modell durchliest.

Wie gesagt, prinzipiell ist so ein Modell in Ordnung. Die exakten Werte hier sind für mich mathematisch aber nicht nachvollziehbar. Mit einer Conversion-Rate (CR) von 8% bleibt ein Teilnehmer wie gehabt bei den 15 Cent. Bei einer proportionalen Bemessung müsste es für 4% 7,5 Cent geben und für 3% eine Vergütung von 5,63 Cent. Tatsächlich gibt es da aber nur noch 1 Cent. Die teilnehmenden Seiten mit eher schlechten Traffic werden also übermäßig viel verlieren, was nichts mehr mit Leistungsgerechtigkeit zu tun hat. Hier wird einfach über die Hintertür Kosten eingespart, was den Programmteilnehmern als Qualität wird belohnt verkauft.

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass die Preise der Angebote nicht einbezogen wird. Seiten im Immobilienbereich, oder auch im Technikbereich, wo verkaufte Produkte viel teuerer sind, verlieren massiv. Denn dort ist die Hemmschwelle beim Kauf viel größer als wenn es um ein gebrauchtes Buch zum Preis von 5 Euro geht. Wenn 2% der Klicks zu einem Kauf über 100 Euro führen, verdient eBay viel mehr als mit 10% Sofortkäufen von 5-Euro-Büchern. Beachtet wird das in der Vergütung für die Programmteilnehmer aber in keiner Weise.

Wer sich bei eBay Relevance Ads neu anmeldet, wird übrigens im ersten Monat in Stufe 4 (CPC 6 Cent) eingestuft. Dieses Affiliate-Programm wird somit auch für neue Publisher unattraktiver - ingesamt werden wahrscheinlich mehr Teilnehmer das Programm verlassen als es Neuanmelder gibt. Vielleicht gehört das ja zur neuen Geschäftsstrategie von eBay?

Lead- und Salevergütungen abgeschafft

Die neue Staffelung der Klickpreise allein wäre für viele sicherlich unerfreulich aber noch verschmerzbar. Eine viel schwerwiegendere Verschlechterung stellt aber die Abschaffung der Lead- und Sale-Provisionen dar. Zusätzlich zur Klick-Vergütung gab es bisher noch mindestens 10 Cent pro Gebot, 25 Cent pro Sofortkauf und 5 Euro pro Neuanmeldung (Seiten mit viel Traffic konnten sogar noch mehr verdienen). All das wird abgeschafft, begründet wird das so:

Da wir mit dem neuen Provisionsmodell ja schon die von Ihnen generierte Anzahl von Sofort Käufen und Geboten im eQI integriert haben, wird es die einzelnen Bonusstaffeln für die Nutzung des eBay Relevance Ads nicht mehr geben.

Was bedeuted das für Publisher, welche eBay Relevance Ads verwenden? Da es keine Lead-/Sealvergütungen gibt, verliert jeder, der nicht Stufe 9 (18 Cent) erreicht. Selbst wer seine Klickvergütung bei 15 Cent halten kann, verliert, weil die Leadvergütungen wegfallen. Im günstigsten Fall würde man auf Stufe 8 (15 Cent) 5,1% der Einnahmen einbüßen. Dieser günstigste Fall wäre (die mathematische Begründung spare ich mir an dieser Stelle, für Rückfragen E-Mail!), wenn man gerade noch die Stufe erreicht (in diesem Fall 8,00% Conversion-Rate) und sämtliche Conversions Gebote mit 10 Cent Vergütung wären (also keinerlei Sofortkäufe, Neuanmeldungen oder Gebote mit mehr als 10 Cent Vergütung). Wie gesagt ist dies der günstigste Fall, in der Praxis werden die Einbußen noch höher sein. Ich habe hier die günstigsten Einnahmenveränderungen gestaffelt nach eQI aufgelistet:

eQI CPC Einnahmen
bis 3 1 Cent - 93,4%
4 3 Cent - 80,5%
5 6 Cent - 61,3%
6 9 Cent - 42,3%
7 12 Cent - 23,6%
8 15 Cent - 5,1%
ab 9 18 Cent + 13,2%

Selbst wer einen eQI von 9 oder höher hat, kann im Optimalfall bei diesem Modell nur 13,2% zusätzlich verdienen. Bei einem realistischen Modell (d.h. mit Verteilung 80% Gebote, 19% Sofortkäufe, 1% Neuanmeldungen) betragen die Mehreinnahmen maximal 8,1%. In ungünstigsten Fällen sind sogar leichte Verluste möglich (wenn man sehr hohe Klickzahlen hat, und daher von den gestaffelten Vergütungen profitierte, oder auch wenn der eQI deutlich über 10 liegt). Fairerweise muss man dazusagen, dass man sich individuelle Konditionen aushandeln kann, wenn man regelmäßig einen eQI von 9+ erreicht. Das muss man aber erst einmal schaffen.

EBay preist beim neuen Modell die bis zu 20% höheren Klickvergütungen an. Auch wenn das rein technisch korrekt ist (die Klickvergütungen werden unter Umständen höher), ist das gewissermaßen irreführend. Denn dass Sale-/Leadverütungen wegfallen, erfährt man erst nach genauem Lesen aller Einzelheiten. Durch den Wegfall ist insgesamt maximal ein Gewinn von +13,2% möglich. In der Tabelle oben ist auch sehr schön zu sehen, dass der Durchschnitt verlieren wird - denn nur eine kleine Minderheit wird einen eQI von 9 erreichen.

Zusammenfassung

Wer einen eQI von 9 oder höher hat (18 Cent pro Klick), gewinnt geringfügig. Alle anderen werden durch das neue Modell verlieren - manche sogar massiv (siehe Tabelle oben). Ich habe einfach den Eindruck, dass eBay nicht mehr so viel für Werbung ausgeben will. Das ist natürlich ihre Entscheidung - allerdings sollten sie das klipp und klar kommunizieren und nicht von einer Verbesserungen für die Kunden (20% höhere Klickvergütungen, kommen Kundenwünschen entgegen, ...) sprechen. Denn das ist es bestenfalls für wenige einzelne Porgrammteilnehmer ...

Einnahmenrechner

Ich habe übrigens mit Excel einen Einnahmenrechner erstellt, den ich hier auch zum Download zur Verfügung stelle. Damit kannst du schnell und einfach die Einnahmen nach dem neuen Vergütungsmodell ausrechnen sowie die Differenz zu den derzeitigen Einnahmen erkennen.

Download eBay Relavnce Ads Einnahmenrechner
Download URL: http://pixelfolk.net/files/downloads/ebay_einnahmenrechner.xls

Der Rechner funktioniert auch mit Google Docs (einfach dort hochladen, falls du kein kompatibles Tabellenkalkulationsprogramm auf deinem Rechner installiert hast). Sämtliche Angaben zu Einnahmen und Vergütung sind natürlich ohne Gewähr!

Veröffentlicht am 21.03.2008.

KommentierenArtikel kommentieren oder Trackbackmanueller Trackback


Kommentare

Konstantin schrieb am 08.10.2008, 09:02 ( #1 )
Vielen Dank für die übersichtliche Darstellung. Die finde ich sogar noch besser als die von Ebay selbst. Mich hat es jetzt auf jeden Fall überzeugt. Ich werde von Ebay Relevance Ad wieder zu Adsense wechseln.

Trackbacks

Vergleich zwischen Ebay Relevance Ad und Google Adsense
In diesem Artikel veröffentliche ich einen Vergleich zwischen Ebay Relevance Ad und Google Adsense über einen Testzeitraum von 3 Monaten.

RSS

RSS-Feed abonnieren
Sämtliche Artikel im Full-Feed.


Twitter

Kurznachrichten bei Twitter
Für Kurznachrichten, die im Blog keinen Platz finden.


Ähnliche Artikel


Lesezeichen setzen


Accessibility Ads Affiliate Afflinet Barrierefreiheit eBay eBay Relevance Ads Einnahmen Einnahmenrechner eQI eRA eRA-Qualitätsindex Partnerprogramm Relevance Ads Usability Vergütung


PixelfolkRSSRSS-FeedSitemapImpressumDatenschutzhinweis