Website-Ladezeit ab sofort ein Ranking-Faktor
Die Ladezeit einer Website wird nun (wie bereits früher angekündigt) zu einem Ranking-Faktor bei Google. Website-Betreiber sind somit gewzungen, eventuell vorhandene Optimierungs-Potentiale bei der Performance auszuschöpfen.
Bereits im November 2009 hat Google angekündigt, dass die Ladezeit einer Website im Jahr 2010 zu einem Ranking-Faktor werden würde. Nun ist es offiziell so weit, die Ankündigung wurde wahr gemacht: die Ladezeit ist laut offiziellen Aussagen von Google fortan einer der über 200 Ranking-Faktoren (vorerst nur bei den englischsprachigen Suchergebnissen und selbst dort noch nicht bei allen Suchanfragen, eine schrittweise Ausweitung ist aber nur eine Frage der Zeit).
Relevant ist dabei nicht nur der reine Website-Code, sondern auch die Ladezeit aller eingebetteten Elemente. Es wird jene Ladezeit gemessen, die vom Anfordern einer Website bis zur vollständigen Darstellung im Browser vergeht: also inklusive Reaktionszeit des Servers, Auslieferung des HTML-, CSS- und Javascript-Codes, sowie die Ladezeit von eingebundenen Bildern und Videos.
Welche Ladezeiten Google für die eigene Website berechnet hat, kann über die Google Webmaster Tools angezeigt werden. Das entsprechende Tool „Site Performance“ ist unter Labs > Site Performance zu finden. Diese Werte werden angeblich über die Google Toolbar ermittelt wenn die Pagerank-Anzeige aktiviert wurde (dementsprechend ist der Wert bei weniger frequentierten Websites auch weniger zuverlässig).
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Google verweist darauf, dass niedrigere Ladezeiten auch zu einer besseren User Experience führen. Doch nicht jeder ist mit dem neuen Ranking-Faktor glücklich. Kritiker argumentieren, dass gut gestaltete Websites einen Nachteil haben würden und Google auf einem Irrweg wäre. Reine SEO-Projekte, die einfach nur billig produzierte Texte online stellen, könnten hingegen viel einfacher auf eine geringe Ladezeit getrimmt werden und hätten somit einen Vorteil – was sicher nicht im Sinne der User sein kann.
Um diesen Kritikpunkt seriös beurteilen zu können, müsste man allerdings zuerst die genauen Auswirkungen des Ranking-Faktors „site speed“ kennen. Bei einem strikt linearen Zusammenhang wäre diese Kritik berechtigt. Es ist jedoch anzunehmen, dass es erst negative Auswirkungen gibt, wenn ein gewisser kritischer Wert bei der Ladezeit überschritten wird. Wenn dieser kritische Wert ausreichend hoch angesetzt ist, sollte es bei vernünftigem Einsatz von multimedialen Elementen keine entscheidenden Nachteile geben.
Google zwingt mit dem neuen Ranking-Faktor (und weil niemand weiß, wo der kritische Wert liegt) die Website-Betreiber dazu, mögliche Optimierungs-Potentiale bei der Ladezeit auszuschöpfen. Diese Entwicklung ist grundsätzlich zu begrüßen. Allerdings ist auch zu befürchten, dass in Einzelfällen damit übertrieben wird (so wie etwa früher beim internen Pagerank-Sculpting) und so an manchen Stellen die Qualität des Inhalts in Leidenschaft gezogen werden könnte.
Es wird jedenfalls interessant zu beobachten sein, wie Website-Betreiber ihre Ladezeiten reduzieren wollen (einer der Tipps aus den Google Webmaster Tools geht sogar soweit, die Entfernung von Tools wie Google Analytics vorzuschlagen). Auch für Werbenetzwerke könnte ein Umdenken erforderlich werden – Website-Betreiber könnten mitunter sogar schlankere Werbemittel fordern und einsetzen (zumindest soweit dies ohne Performance-Verluste machbar ist). Übertriebene Panik ist jedoch nicht angesagt: Der neue Ranking-Faktor ist nicht so wichtig einzuschätzen, dass man auf Werbeeinahmen verzichten sollte nur die Ladezeit um ein paar Zehntelsekunden zu reduzieren. Die Devise sollte lauten: Optimierungspotentiale ausnutzen ohne die Website funktionell zu beschränken.
Artikel veröffentlicht von Thomas Graf am 12. April 2010 | Tweet
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Franz Neumeier 12. April 2010 [#] |
Meine Kritik an Google bezieht sich nicht ausschließlich auf Performance als Ranking-Faktor. Das allein wird sicherlich keine nennenswerten Nachteile für guten Content mit sich bringen. Aber der Performance-Faktor ist schon wieder ein neuer Punkt in der inzwischen recht langen Liste an Ranking-Faktoren, die guten Content eher benachteiligen gegenüber technisch bzw. mit finanziellem Aufwand steuerbaren Faktoren, statt mehr Energie darauf zu verwenden, guten Content von wertlosem Schrott zu unterscheiden. |
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Thomas 12. April 2010 [#] |
@Franz: danke für die Klarstellung. Prinzipiell hatte ich es ohnehin so verstanden - ich muss allerdings zugeben, dass das in der Form aus meinem Text nicht hervorgeht. Ich wollte das nicht so genau ausführen, weil der Text sonst zu lange geworden wäre und die LeserInnen bei Interesse einfach auf den Link klicken und das aus erster Hand nachlesen können ... |