Google Instant Search und seine Auswirkungen
Die neue Google Instant Search bringt nicht nur Vorteile für die Suchenden, sondern hat auch Auswirkungen auf die Arbeit von SEOs. Eine Analyse der möglichen Veränderungen.
Google hat wieder einmal ein größeres neues Feature implementiert: die Google Instant Search. Schon bisher hat Google mit Google Suggest sogenannte Suchvorschläge gegeben sobald die ersten Buchstaben in die Suchmaske eingegeben wurden. Mit Instant Search geht Google noch einen Schritt weiter: bereits während der Eingabe werden erste Suchergebnisse eingeblendet (vorerst nur bei der englischen Version, in Deutschland soll die Instant Search in den nächsten Wochen kommen).
Dabei werden aber nicht nur die bisher eingegeben Buchstaben herangezogen, sondern es findet gleich eine Autovervollständigung statt. Sobald beispielsweise der Buchstabe A
eingetippt wurde, wird gleich das Ergebnis für eine Suche nach Amazon (statt nur dem Suchergebnis zu A) angezeigt.
Die Reaktionen auf die Instant Search sind gespalten, das Spektrum geht von unnötiger Ressourcen-Verschwendung (tatsächlich braucht Google zur Bewältigung noch mehr Rechenkapazitäten) bis hin zu Begeisterung über eine Revolution. Google spricht vor allem von einer Beschleunigung der Suche. So sollen Benutzer im Durchschnitt rund 5 Sekunden einsparen. Dass die neue Funktion - wie von manchen vermutet - zu mehr Verwirrung führt, ist eher unwahrscheinlich — immerhin führt Google bei der Einführung neuer Funktionen stets umfassende Tests durch.
Veränderung des Suchverhaltens
Besonders interessant für Website-Betreiber und SEOs ist natürlich die Frage, wie sich die Instant Search auf das Suchverhalten auswirken wird und welche Änderungen in der SEO-Strategie dadurch notwendig werden. Auch hier sind die Prognosen widersprüchlich.
Manche vermuten eine Stärkung des Longtails, aber noch mehr sagen eine Schwächung voraus. Argumente gibt es für beide Thesen — aber langes Theoretisieren ist unnötig, denn die tatsächlichen Auswirkungen werden aber schon sehr bald messbar sein. Es ist meiner Ansicht nach wahrscheinlich, dass die Nutzer durch den zusätzlichen Komfort ihre Suchanfragen öfter verfeinern werden, wodurch eben der Longtail dazugewinnt. Die Vorschlagsfunktion gibt, welche die entgegengesetzte Auswirkung hat, gibt es ja schon länger und ist nicht neu.
Ein interessanter Aspekt wurde auch bei SEO-Book in die Diskussion eingebracht: Die Suchverschläge verbrauchen zusätzlichen Platz, wodurch ohne Scrollen ein Suchresultat weniger zu sehen ist. Eine Position auf den vorderen Plätzen wird dadurch noch wichtiger als bisher. Zudem ist eine Verfeinerung der Suchanfrage nun bequemer als das Scrollen.
Die Ergebnisse einer Eyetracking-Studie zeigen außerdem, dass die Anzeigen auf der rechten Seite weniger beachtet werden. Da Google auf Werbeeinahmen angewiesen ist, könnten mehr Anzeigen ins Zentrum über die Suchergebnisse wandern. Auch dadurch werden organische Suchergebnisse nach unten gedrückt, was den oben genannten Effekt weiter verstärken könnte.
Messung von Impressions
Die Messung von Impressions wird sich auf jeden Fall ändern. Diese Zahl ist für die AdWords-Anzeigen bedeutend, und fließt auch in die Berechnung von Klickraten bei organischen Suchergebnissen ein (welche wiederum das Ranking bei Google beeinflussen soll).
Bisher war eine Seitenanzeige klar abgrenzbar, nun sind diese nicht mehr eindeutig zu erfassen. Für AdWords werden Impressionen gezählt, wenn zumindest eine der folgenden Möglichkeiten zutrifft:
- Der Nutzer klickt auf ein beliebiges Suchergebnis.
- Der Nutzer wählt einen Suchvorschlag aus (durch Mausklick oder Enter-Eingabe).
- Die Suchergebnisseite wird mindestens 3 Sekunden ohne Verfeinerung angezeigt.
Daraus sollten sich keine Nachteile ergeben (schließlich betreffen diese Änderungen sowieso alle Konkurrenten gleichermaßen), allerdings ist diese Information wichtig, um eventuelle Änderungen bei den Klickraten richtig zu interpretieren.
Artikel veröffentlicht von Thomas Graf am 09. September 2010 | Tweet