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Abschied vom Netscape

Ein Stück Internet-Geschichte geht demnächst zu Ende: AOL wird ab 1. Februar 2008 offiziell Entwicklung und Support für den guten alten Netscape einstellen. Der Download soll auch weiterhin möglich sein.

Den wenigen verbliebenen Nutzern des Netscape empfiehlt AOL einen Umstieg auf Mozilla Firefox. Für diesen soll es auch weiterhin einige Erweiterungen von Netscape-Team geben.

Aufstieg und Fall von Netscape

Die erste Version des Netscape-Navigators erschien im Jahr 1994 und baute auf dem Code des Browsers Mosaic auf. Zu dieser Zeit gab es den Internet Explorer noch nicht, dieser erschien erst im Sommer 1995.

Der Netscape Navigator kam gerade zur richtigen Zeit auf den Markt: genau dann, als das Internet begann, sich zu verbreiten. Als führender Browser dieser Zeit stieg der Marktanteil rasant schnell an. Eine wesentliche Neuerung bestand darin, dass Seiten bereits während des Ladens angezeigt wurden - bei anderen Browsern musste gewartet werden, bis die gesamte Seite übertragen war. Bei den damaligen Ladegeschwindigkeiten war dies ein wahrer Segen.

Der Netscape Navigator wurde aktiv weiterentwickelt - viele wichtige Neuerungen gingen auf sein Konto: Cookies, Frames und auch Javascript. Rund ums Jahr 1996 war die Blüte des Browsers, da erreichte er etwa 80% Marktanteil. Bedeutend war vor allem die Plattform-Unabhängigkeit des Browser, Analysten prophezeiten schon damals, dass Programme über den Browser bald unabhängig vom Betriebssystem laufen könnten (und selbst jetzt, zu den Zeiten von AJAX, ist dies nicht weit verbreitet).

Doch gerade das gefiel Microsoft nicht, sie sahen darin eine Bedrohung. Der Konzern machte die Entwicklung eines besseren Browsers zu einem zentralen Punkt der Unternehmensstrategie. Ab dem Jahr 1996 hatte man mit den Internet Explorer 3.0 eine brauchbare Alternative, 1997 legte man mit Version 4.0 nach.

Netscape hingegen verzettelte sich: Mit Version 3 führte man einen E-Mail-Client, News-Reader und einen WYSIWYG-Editor zur Erstellung eigener Seiten ein. Der Browser wurde schwerfällig, langsam und hatte viele Fehler. Mit Version 4 wurde der Netscape Navigator in Netscape Communicator umbenannt. Doch dieser konnte nicht mit dem bereits sehr stabilen Internet Explorer 5.0 (kam 1998) mithalten. Und so war das Rennen schon fast gelaufen, wie die Entwicklung der Marktanteile zeigt:

Marktanteil Netscape

Datenquellen: GVU WWW User Survey (1994-1996), EWS Web Server (1996-1998), WebSideStory (1998-2002), OneStat.com (2002-2004). Andere Quellen können geringfügig unterschiedliche Marktanteile ausweisen.

1998 wurde die Codebasis für den Netscape Communicator unter einer Open-Source-Lizenz verfügbar gemacht. Dem Netscape half das nicht, allerdings wurde mit diesem Schritt die Erfolgsgeschichte Mozilla bzw. Firefox möglich. Der Netscape 5 war so schlecht, dass dieser nie erschien. Und damit war Netscape tot geweiht.

Netcape Communications wurde dann noch von AOL aufgekauft, die Entwicklung von Mozilla begann. Der Mozilla wurde mit einer anderen Oberfläche auch als Netscape 6 und 7 herausgebracht. Nach dem Release von Mozilla 1.0 im Jahr 2002 gab es dann lange keine weiteren Netscape Versionen mehr. Erst 2005 und 2007 erschienen Netscape Browser (Netscape 8) und Netscape Navigator (Netscape 9) auf der Basis von Firefox. Und am 28. Dezember 2007 wurde bekannt gegeben, dass die Entwicklung endgültig eingestellt wird.

Browserkrieg 2.0

Marktanteile Browsermarkt

Der Niedergang von Netscape beendete den großen Browserkrieg zwischen Internet Explorer und Netscape. Die Webseiten-Entwickler mussten nach dem Sieg des IE weniger auf spezifische Browser-Eigenheiten achten. Zugleich stagnierte das Internet gewissermaßen. Microsoft hatte keinen Anreiz mehr, den Internet Explorer wesentlich weiter zu entwickeln und so fanden neue Standards lange wenig Verbreitung (etwa neue Versionen von CSS).

Erst die steigenden Marktanteile von Firefox bewegten den Softwareriesen dazu, mit dem Internet Explorer 7 wieder einen zeitgemäßen Browser zu veröffentlichen. Ein neuer Browserkrieg hat schon längst angefangen. Laut den Statiken von W3 Counter hatte der Firefox im November 2007 bereits 27,8% Markanteil. Die Releases im Jahr 2008, Firefox 3 und Internet Explorer 8, werden zeigen, in welche Richtung es gehen wird ...

Veröffentlicht am 29.12.2007.

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