Das Recherchieren von Informationen ist eine grundlegende Technologie des Internets. Leider sind Recherchen aber derzeit nur mit Einschränkungen möglich. Warum gibt es diese Einschränkungen? Es gibt sie aus den gleichen Gründen, die wir auch bei proprietärer Software vorfinden: Mangel an Freiheit, Mangel an gemeinschaftlicher Arbeit, Mangel an Verantwortung, Mangel an Transparenz.
Mit diesen Worten erklärte Jimbo Wales seine Motivation, eine neue und neuartige Suchmaschine auf die Beine zu stellen: Wikia Search. Die neue Suchmaschine des Wikipedia-Gründers wird es den Suchenden erlauben, Änderungen an den Suchergebnissen vorzunehmen und damit (hoffentlich) die Qualität zu verbessern. Nun wurde auch ein offizieller Termin für den Start des neuen Suchdienstes genannt: Am 7. Januar 2008 soll es so weit sein.
Wikia Search ist - anders als manche annehmen - kein Projekt der gemeinnützigen Stiftung Wikimedia Foundation. Hinter Wikia Search steckt die profitorientierte US-Firma Wikia. Diese wurde 2004 von Wikipedia-Gründer Jimmy Wales sowie Angela Beesley gegründet. Ursprünglich hieß die Firma Wikicities, wurde jedoch später umbenannt.
Wikia Search soll sich über Werbeeinnahmen finanzieren. Kooperationspartner dazu sind Google mit Adsense und Fastclick. Möglicherweise wird die Suche aber eines Tages selbst vermarktet. Bis dahin nascht Google aber an den Werbeeinnahmen ihres potentiellen Konkurrenten mit. Mittlerweile sind zahlreiche Firmen, Risikokapitalgeber und bekannte Personen eingestiegen. Dazu zählen etwa Amazon, Lotus-Gründer Mitch Kapor, Jabber-Gründer Jeremie Miller und Netscape-Erfinder Marc Andreessen. Nach Eigenangaben arbeiten rund 40 Personen als Angestellte an der Suche.
Wie bereits erwähnt wurde das Unternehmen Wikia im Jahr 2004 gegründet. Ein Webauftritt wurde eingerichtet, wo in einem Wiki Ideen gesammelt wurden. Zugleich wurde damit das Projekt 3apes
ersetzt, eine Mischform aus Suchmaschine und Web-Verzeichnis, welches es seit 2002 gab.
Im November 2005 begann die nicht-öffentliche Betaphase der Suchmaschine unter dem Namen Wikiasari
. Zu diesem Zeitpunkt waren 300000 Seiten im Index, versehen mit Infos wie Keywords und Bewertung. Danach ging die Aktivität massiv zurück, Stagnation setzte ein, das Einschlafen drohte bereits. Der Name Wikia wurde an das Wiki-Hosting-Service Wikia abgegeben.
Im Dezember 2006 machte Jimbo Wales gegenüber Medienvertretern eine beiläufige Bemerkung über die Möglichkeit einer Wiki-basierten Suchmaschine. Die Medien bauschten das Thema auf, zahlreiche Berichte in renommierten Zeitungen und Magazinen waren die Folge. Das Interesse in das Projekt flammte wieder auf - und Wikiasari bekam einen neuen vorläufigen Namen: Search Wikia.
Am 31. Januar kündigte Wales offiziell an, eine Suchmaschine zu erschaffen, welche mit etablierten Suchmaschinen wie Google und Yahoo konkurrieren soll. Von da an ging zügig voran. Benötigte Technologie wurde durch den Kauf von Grub (Web-Crawler) beschafft, weiters wurden die offenen Frameworks Nutch und Lucene verwendet. Die Server werden in Kooperation mit Amazons S3 Service betrieben.
Im Dezember 2007 wurde verkündet, dass eine Pre-Alpha-Phase
bereits erreicht wurde. Die Öffentlichkeit kann die Suche ab dem 7. Januar 2008 probieren - wie ausgereift Wikia Search zu diesem Zeitpunkt sein wird, gilt als offene Frage. Hier muss man wirklich aufpassen, denn eine zu unausgereifte Suchmaschine würde Entäuschung hervorrufen, und das Interesse abflauen.
Abgesehen davon, dass die Suchenden die Ergebnisse beeinflussen können, weiß man nicht viel. Es ist unbekannt, wie stark der Einfluss sein wird, wie die Oberfläche aussehen wird, ob es von Anfang an Mehrsprachigkeit geben wird, oder wie groß der Index bereits ist. Daher ist es auch kaum möglich, etwas Genaues über die Marktchancen zu sagen.
Für Wikia Search spricht vor allem die Medienaufmerksamkeit, die es von Anfang an bekommen wird, und etwa andere Google-Konkurrenten wie Ask.com nicht haben. Die Kritiker des Projekts mahnen vor allem vor möglichen Manipulationen durch Firmen und auch private Webmaster. Doch allen Unkenrufen zum Trotz, und trotz einiger Probleme, sieht man am Beispiel von Wikipedia, dass kollaboratives Arbeiten funktionieren kann und gute Resultate herausschauen - vor allem bei Themen bzw. Suchwörtern, wo es viel Interesse gibt. Wikia Search könnte deswegen vor allem bei den großen Themen punkten, während Google für den Long Tail hervorragend geeignet ist.
Auch Manipulationen kann man halbwegs in den Griff bekommen: Benutzer mit auffälligen Verhalten (bei notwendiger Registrierung) werden nicht beachtet - im Gegensatz zu einer Sperre merkt das der Benutzer nicht einmal. Potential hat diese Art der Suche auf jeden Fall, auch Google hat erste Experimente in dieser Richtung gestartet. Und mit Mahalo gibt es schon eine erste soziale Suche (mit etwas anderem Konzept), welche bereits Wachstum verzeichnen kann.
Natürlich darf sich niemand erwarten, dass Wikia Search Google verdrängen kann. Als deklariertes Ziel gelten 5% des Marktanteils, was langfristig realistisch machbar ist. In Anbetracht der dominanten Marktstellung von Google (in Deutschland derzeit bei über 88%, wenn man T-Online und AOL mit eingerechnet sogar 92%) wäre selbst das ein wenig Verbesserung für den Markt, denn sonst wird Google noch zu mächtig. In den USA sehen die Marktanteile derzeit noch etwas anders aus (Google bei bescheidenen
58%).
Während Wales nur eine freie Suche etablieren will, könnten viele Konzerne in Wikia Search investieren, um eine Allianz gegen Google bilden. Langfrsitig könnten Google und die Achse Wikia-Wikipedia tatsächlich wahre Konkurrenten werden. Wikia wildert in Googles Gewässer und zur gleichen Zeit arbeitet Google an einer eigenen Enzylopädie namens Knol. Ein lesenwertes Interview der ZEIT mit Jimbo Wales gibt es übrigen hier nachzulesen ...
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