Yahoo lehnt Kaufangebot von Microsoft ab
Der angeschlagene Internetriese Yahoo pokert hoch und lehnt das 45 Milliarden Dollar Kaufangebot von Microsoft ab. In einer entsprechenden Mitteilung an die Aktionäre heißt es:
After careful evaluation, the Board believes that Microsoft’s proposal substantially undervalues Yahoo! including our global brand, large worldwide audience, significant recent investments in advertising platforms and future growth prospects, free cash flow and earnings potential, as well as our substantial unconsolidated investments. The Board of Directors is continually evaluating all of its strategic options in the context of the rapidly evolving industry environment and we remain committed to pursuing initiatives that maximize value for all stockholders.
Microsoft bot bereits 31 Dollar pro Aktie, was 61% über dem Aktienkurs zum Zeitpunkt der Angebotserstellung lag. Dennoch begründet der japanische Übernahmekandidat die Ablehnung des Angebots mit einem zu niedrigen Kaufpreis. Laut Presseberichten soll Yahoo erst ab einem Preis von 40 Dollar je Aktie zu weiteren Verhandlungen bereit sein.
Zahlreiche Analysten vermuten aber, dass Yahoo die Übernahme durch Microsoft mit allen Mitteln verhindern will und auf Zeit spielt, um Alternativen zu finden. In Anbetracht der derzeit schwierigen wirtschaftlichen Situation muss Yahoo allerdings handeln. Immer mehr Aktionäre sind für einen Einstieg von Mircosoft, für alles andere braucht das Management eine gute Rechtfertigung.
Zuletzt hatte Google offen angeboten, die Japaner zu unterstützen. Im Falle einer Auslagerung der Suchmaschine oder bei einer Zusammenarbeit im Bereich der Online-Werbung könnten die Kartellbehörden einen Strich durch die Rechnung machen. Zur Zeit wird auch über einen Zusammenschluss von Yahoo und AOL spekuliert. Auch der Medienkonzern Disney wird immer öfter als möglicher Investor genannt. Medienzar Rupert Murdoch hingegen soll bereits abgewinkt haben. Trotzdem: Eine Übernahme durch Mircosoft ist nach wie vor möglich - der Konzern aus Redmond hat ausreichend Geld auf der hohen Kante und könnte ein höheres Angebot nachlegen.
Zu den Problemen von Yahoo zählt unter anderem die Verwässerung der Marke Yahoo!. Früher stand Yahoo vor allem für Webverzeichnis und Suche. Insgesamt gibt es unter der Dachmarke Yahoo aber schon über 60 Dienste: Wetter, Kalender, Filmportal, Messenger, Rousenplaner, und viele andere. Dazu kommen noch zukaufte Dienste wie Flickr, del.icio.us, MyBlogLog und Zimbra.
Die Internet-Welt beschäftigen in diesem Zusammenhang vor allem zwei Dinge: Eine Konzentration im Internet auf das Duopol Google und Microsoft/Yahoo sowie eine das Schicksal von Flickr. Auf Flickr gibt es bereits erste Proteste gegen eine Übernahme durch Microsoft. Auch für Microsoft birgt der teure Deal Risken: Eine Zustimmung der Wettbewerbsbehörden ist noch nicht sicher. Zudem könnten zahlreiche fähige Mitarbeiter von Yahoo (welche Yahoos größtes Kapital sind) abwandern, weil sie nicht Teil des Microsoft-Konzerns werden wollen. In Bezug auf die Unternehmenskultur liegen zwischen Yahoo und Microsoft nämlich Welten ...
Artikel veröffentlicht von Thomas Graf am 11. Februar 2008 | Tweet