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Cuil: Eine neue Suchmaschine

Der Suchmaschinenmarkt ist um einen weiteren Mitbewerber reicher: Cuil ist eine neue Suchmaschine, die sich selbst als Google-Herausforderer sieht. Herausragende Eigenschaft ist der riesige Suchindex mit 120 Milliarden Webdokumenten. Die Ergebnisse sind noch nicht ganz ausgereift, die Suchmaschine besitzt jedoch Potential.


Suchmaschinen sind von enormer Bedeutung für das Internet. Sie fungieren als Mittelsmann zwischen Internet-Benutzern und der unüberschaubaren Menge an Websites. Mittlerweile wird der Großteil des Web-Traffics über Suchmaschinen vermittelt; ohne sie wäre das Web in der heutigen Form kaum denkbar. Das macht den Suchmaschinenmarkt zu einem sehr attraktiven Geschäftsfeld.

Aus diesem Grund überrascht es kaum, dass immer wieder neue Startups auf den Suchmaschinenmarkt drängen - und das obwohl es zahlreiche Markteintrittsbarrieren gibt. Der Großteil der kleinen Suchmaschinen scheitert kläglich an mangelnder Bekanntheit oder der unzureichenden Finanzierung (ohne der die notwendige technische Infrastruktur nicht aufgebaut werden kann). Doch hin und wieder schaffen es erfolgsversprechende Suchmaschinen (zuletzt etwa Powerset, Wikia Search und SearchMe) in unser Blickfeld zu kommen, wenn ihnen Medien ausreichend Aufmerksamkeit schenken.

Mäßige Resultate, interessante Ansätze und riesiger Suchindex

In diesen Tagen hat das wieder eine neue Suchmaschine geschafft: Cuil (gesprochen cool, kommt vom Gälischen Wort für Wissen) hat dank Berichten auf TechCrunch und heise online eben diese Aufmerksamkeit bekommen. Die Suchmaschine ist auf jeden Fall einen näheren Blick wert:

Cuil Suchmaschine
Erster Test: Anlässich es neuen Films The Dark Knight eine Suche nach Batman.

Ein paar erste Tests zeigen schnell: Die Suche liefert zwar akzeptable Suchergebnisse, mit Google und Yahoo kann Cuil bei der Qualität der Resultate aber noch nicht mithalten. Bei Test ist zu beachten, dass die Suchmaschine bisher auf Englisch spezialisiert ist - fremdsprachige Suchanfragen liefern bisher keine zufriedenstellenden Resultate.

Dennoch verdient sich die neue Suchmaschine Cuil dank einiger interessanter Ansätze durchaus Aufmerksamkeit. Am auffälligsten ist die Form der Präsentation, die sich von den etablierten Suchmaschinen deutlich unterscheidet. Resultate werden in mehreren Spalten angezeigt, bei jedem Resultat ist eine längere Zusammenfassung dabei. Einen zusätzlichen optischen Reiz bietet jeweils ein Bild von der Ergebnisseite, das aber nicht immer relevant ist (siehe Netscape-Button bei der Suche nach Batman). Die Darstellung ist ungewohnt, dennoch halte ich sie für gelungen.

Cuil indexiert Websites nicht einfach nur nach Schlüsselwörtern, sondern versucht auch semantische Zusammenhänge zu verstehen. So bietet Cuil auch eine brauchbare Kategorie-Ansicht, mit der sich Suchergebnisse weiter verfeinern lassen. Dieser Ansatz ist zwar nicht mehr neu, bei Suchmaschinen wie Google aber noch nicht so ausgereift. Auch der Datenschutz ist für Cuil ein wichtiges Thema - nach eigenen Angaben werden keinerlei Benutzerdaten gespeichert.

Das herausragende Merkmal von Cuil ist aber der riesige Suchindex. Nach eigenen Angaben enthält dieser rund 120 Milliarden Webdokumente. Im Vergleich dazu wird Googles Webindex auf 30 - 50 Milliarden geschätzt, Microsoft und Yahoo bieten noch weniger. Eine weitere Besonderheit von Cuil steckt in der Suchtechnologie - diese soll mit deutlich weniger Serverleistung als vergleichbare Technologien verbrauchen. Anders wäre dieser riesige Index auch kaum zu bewältigen.

Kampfansage an Google

Normalerweise sollte man neue Suchmaschinen gar nicht mit Google vergleichen. Ein Google-Killer kommt nicht von einen Tag auf den anderen, dazu ist jahrelang konsequente Weiterentwicklung erforderlich (heute würde das Google von vor 5 Jahren auch kaum konkurrenzfähig sein). In diesem Fall sind es jedoch die Gründer selbst, die Google den Kampf angesagt haben. Erklärtes Ziel ist es, besser als Google zu werden.

Auch wenn das zumindest mittelfristig unmöglich scheint, und Cuils Ergebnisse bisher nicht überzeugen, darf man auf die zukünftige Entwicklung gespannt sein. Bei Cuil arbeiten zahlreiche renommierte Experten wie Tom Costello, Russell Power und Anna Patterson, die früher bei IBM oder Google tätig waren. Das konnte auch Investoren wie Madrone Capital, Greylock und Tugboat Ventures überzeugen. In zwei Finanzierungsrunden konnte das Startup-Unternehmen aus Kalifornien rund 33 Millionen Dollar an Risikokapital lukrieren.

Als Einnahmequelle sollen in Zukunft Werbeeinblendungen bei der Suche dienen, was für Suchmaschinen ein bewährtes Geschäftsmodell ist. Oder aber Cuil spekuliert darauf, von Microsoft übernommen zu werden, die derzeit Technologien und Know-How aufkaufen, um im Suchmaschinen-Geschäft den Anschluss nicht zu verlieren.

Eine Menge Aufmerksamkeit konnte das amerikanische Startup schon auf sich ziehen - bereits jetzt übertrifft das Interesse die Erwartungen, wodurch die Server zeitweise überlastet sind. Weitere interessante Berichte sowie Meinungen zum Launch der neuen Suchmaschine gibt es übrigens bei Venture Beat, Mashable, Gigaom, Robert Scoble, Webmasters-Blog und Robert Basic.


Ein Hinweis für Website-Betreiber: Der Spider von Cuil verwendet als Kennung den Namen Twiceler und tritt unter den folgenden IPs auf: 38.99.13.*, 38.99.44.*, 64.1.215.* und 208.36.144.*. Twiceler befolgt nach eigenen Angaben die Anweisungen der robots.txt. Weitere Informationen zu diesem Spider sind auf der offiziellen Informationsseite zu finden.

Veröffentlicht am 28.07.2008.

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Kommentare

Justin schrieb am 28.07.2008, 15:13 ( #1 )
Ich muss sagen ist ne gute Suchmaschine, ein wenig dunkel was mir nicht gefällt und die Suchergebnisse sind ein wenig komisch... weiß nicht ob mir das nur so geht aber einige Dinge müssen noch gemacht werden, aber mit einem solchen Index und mit den richtigen Marketing Techniken bin ich gespannt wie sich Cuil in die Internet Welt einbürgern wird...
Lars schrieb am 28.07.2008, 15:55 ( #2 )
Hallo,
guter Beitrag. Mal sehen was die Zunkunft bringt und wie viele User diese auch Nutzen.

mfg Lars
René schrieb am 28.07.2008, 19:46 ( #3 )
Naja, habe den ganzen Spaß mal ausprobiert: Die Serps waren nicht gerade der Brüller... Mehr Spam als sonstwas.
Dietmar schrieb am 30.07.2008, 15:21 ( #4 )
layout ist etwas gewöhnungsbedürftig und ich
hätte eigentlich mehr qualität bei den suchergebnissen erwartet nachdem die schon über 1jahr lang spidern (also genug zeit spam auszusortieren und die gesammlten daten besser aufzubereiten als z.b. -> Dear Sirs, please stop your spider #http_user_agent# crawling our site #cgi.http_host# and ignoring our robots.txt.
Andy schrieb am 01.08.2008, 18:33 ( #5 )
Eine grosse Chance werden sie kaum mehr haben. Die Kommentare sind durchwegs schlecht. Ein guter Ansatz wäre ja vielleicht vor 10 Jahren noch gegangen.
charly schrieb am 04.08.2008, 00:44 ( #6 )
Also von der Aufmachung her sieht es ja nicht schlecht aus, nur frage ich mich ob es denn wirklich was bringt, wenn die einen so wahnsinnig großen Index haben. Klingt vielleicht ganz toll, aber ist doch auch kein Wunder wenn dann da einiges an Spam dabei ist. Im Endeffekt geht es doch eh nur darum, dass unter den ersten 5 Ergebnissen was brauchbares dabei ist, wen interessiert schon ob da 100.000 oder 1.000.000 weitere Ergebnisse sind? Schon klar, dass ein größerer Index auch seine Vorteile hat, aber die Idee zum "Google Killer" ist das auch auf längere Sicht meiner Meinung nach nicht.

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