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  • WebM als Web-Videoformat der Zukunft

    Google gibt den Video-Codec VP8 frei und ebnet damit den Weg für einen allgemein akzeptierten Standard für HTML5-Webvideos. Dank breiter Unterstützung besteht kaum noch Zweifel daran, dass sich WebM/VP8 gegen H.264 durchsetzen wird.

    Die Suche nach einem gemeinsamen Standard für HTML5-Webvideos könnte sich dank Google endlich erledigt haben. Gleich am Beginn der Entwicklerkonferenz Google I/O ließ Google die sprichwörtliche Bombe platzen. Wie von zahlreichen Unterstützern freier Software gefordert, wurde der zugekaufte Video-Codec VP8 freigegeben.

    Google stellte das freie Videoformat WebM vor, welches auf dem VP8-Codec basiert. VP8 wurde von On2 Technologies entwickelt, das Unternehmen wurde im Februar 2010 um 134 Millionen Dollar aufgekauft. WebM wird im Rahmen des Web Media Project weiterentwickelt, an dem namhafte Unternehmen beteiligt sind. Zu den ersten Unterstützern zählen neben den Browser-Herstellern Mozilla und Opera auch Unternehmen wie Adobe, Oracle, Skype sowie Prozessor-Hersteller wie AMD, ARM und Qualcomm. Dazu kommt bekanntlich die hauseigene Video-Plattform YouTube als weltweit größter Anbieter von Webvideos (mittlerweile mehr als 2 Milliarden Videoaufrufe pro Tag).

    Bisher konnten sich die Browser-Hersteller auf keinen gemeinsamen Standard einigen. Microsoft und Apple befürworteten (als Teilhaber am Patent-Pool) den MPEG-4/H.264-Standard. Für Opera und Mozilla kam der Einbau eines proprietären Formats wegen der Lizenzgebühren jedoch nicht in Frage und unterstützten daher OggTheora. Mit OggTheora widerum konnten sich Apple und Microsoft nicht anfreunden — zu geringe Qualität und mögliche U-Boot-Patente bereiteten Sorgen.

    Es gilt praktisch als sicher, dass nun WebM das Web-Videoformat der Zukunft ist. Chrome, Opera und Firefox unterstützen das neue Format bereits in ihren allerneuesten Versionen. Auch Microsoft hat bereits wenige Stunden nach der WebM-Präsentation seine Unterstützung ab dem Internet Explorer 9 zugesagt. Damit sind quasi alle bedeutenden Browser-Hersteller dabei.

    Offen bleibt nur noch die Reaktion von Apple. Deren Browser-Marktanteile sind aber zu unbedeutend, um H.264 gegen den Widerstand von Mozilla und Opera durchzusetzen — zudem hätte Apple kaum einen Nutzen davon. Inoffiziell soll bereits durchgesickert sein, dass auch Apple das neue Format unterstützen wird, auch wenn H.264 weiterhin präferiert wird.

    Laut Einschätzung von Experten reicht die Qualität von WebM/VP8 nicht an die beste Kodierung von MPEG-4/H.264 heran, ist aber deutlich besser als OggTheora. Optimierungsmöglichkeiten sind zwar noch vorhanden, aber begrenzt. Wie alle anderen Formate auch, ist WebM/VP8 jedoch nicht vor möglichen bisher unbekannten Patentansprüchen gefeit (sogenannte U-Boot-Patente). Im Gegensatz zum Theora-Entwickler Xiph.Org-Foundation ist Google jedoch wesentlich besser für mögliche Prozesse zur Verteidigung des Formats gerüstet. Google erweist dem freien Web mit den nicht unbeachtlichen Investitionen in das Videoformat (Übernahme von ON2, Entwicklungskosten, mögliche Rechtsprozesse) einen wertvollen Dienst, wofür das Ersparen von H.264-Lizenzgebühren sicher nicht das einzige Motiv sein kann.

    Artikel veröffentlicht von am 20. Mai 2010 |


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