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  • Newspass: Angebliche Paid-Content-Lösung von Google

    Laut unbestätigten Medienberichten plant Google unter dem Namen Newspass ein eigenes Bezahlsystem für Paid Content. Dieses System mit einem universellen Zugang könnte für eine Renaissance von Paid Content im Web sorgen.

    Journalistische Inhalte im Web sind unrentabel — zumindest wenn man den großen Zeitungsverlagen glauben darf. Jenen Verlagen, die zwar ständig über die Rahmenbedingungen jammern, sich aber dennoch nicht aus dem Internet zurückziehen. Die angeblichen Feinde der Verlage sind schnell ausgemacht: Google und die Gratis-Mentalität der Internetnutzer.

    In der idealen Welt der Verlagsmanager würde Paid Content bei den Internetnutzern auf weitgehende Akzeptanz stoßen, und die Inhalte wären bei Google weiterhin gut gelistet. Google kommt dabei den Online-Zeitungen ohnehin schon entgegen. Im Rahmen der First-Click-free-Policy darf der Zugriff auf maximal fünf Zugriffe pro Tag beschränkt werden. Paid Content ist bisher nicht an Google, sondern an den Konsumenten gescheitert.

    Die Zahlungsbereitschaft der Konsumenten ist jedoch keineswegs das einzige Problem. Laut Studien aus der jüngeren Vergangenheit wäre diese Bereitschaft durchaus vorhanden, wenn auch nicht unbedingt bei der breiten Masse. Ein wesentliches Problem sind auch die derzeitigen Bezahlsysteme. Jedes Online-Angebot ist eine Insel, für Artikel auf verschiedenen Websites müsste einzeln ein Kleinstbetrag überwiesen werden. Eine derartige Fragmentierung ist für Konsumenten unkomfortabel. Neuartige Systeme wie Flattr sind in dieser Hinsicht zwar viel besser — allerdings keine geeignete Lösung für Verlage, die vor dem Zugriff einen Fixbetrag verlangen.

    Aus dem genannten Grund hoffen potentielle Anbieter von Paid Content auf eine Art AppStore für redaktionellen Content. Von ersten Initiativen in diese Richtung war zwar zu hören, daraus ist aber aufgrund der Trägheit und Uneinigkeit der Akteure bisher nichts Konkretes geworden.

    Ein neuer Hoffnungsschimmer kommt nun ausgerechnet vom bisherigen Feind Google. Bereits letztes Jahr kam von Google ein Vorschlag ein derartiges Bezahlsystem. Laut einer unbestätigten Meldung aus italienischen Medien soll Google noch dieses Jahr eine Bezahllösung für Paid Content zur Verfügung stellen, der Name des Systems lautet Newspass. Google soll laut dem Bericht bereits einige Medienvertreter kontaktiert haben, um diese als Teilnehmer für Newspass zu gewinnen.

    Sollte der Bericht tatsächlich stimmen – und es gibt wenig, das dagegen spricht – wird Newspass folgendermaßen aussehen: es gibt einen universellen Zugang, die Content-Anbieter entscheiden frei über die verlangten Preise. Das Ranking der Artikel bliebe bei Googles Websuche unverändert, allerdings wird ein spezielles Symbol für Paid Content sichtbar sein. Die Abrechnung soll schlussendlich über Google Checkout erfolgen. Das könnte für europäische Märkte allerdings problematisch sein, falls Google die Einzahlungsmöglichkeiten nicht ausbaut — denn bisher ist nur die Einzahlung über Kreditkarte möglich, eine Bezahlmöglichkeit die hierzulande bei weitem nicht so verbreitet ist wie in Googles Heimatland USA.

    Der Nutzen für Google liegt auf der Hand: Newspass könnte dazu beitragen, dass Google Checkout endlich populärer wird. Google wird beim Bezahlsystem natürlich einen gewissen Anteil einbehalten und als eigene Einnahmen verbuchen. Bisher war Googles Bezahlsystem keine überzeugende Erfolgsgeschichte, jedoch wäre Google ein weiteres Standbein neben Online-Werbung von strategischer Bedeutung. Zudem könnte sich das Verhältnis zwischen den einflussreichen Verlegern und Google wieder bessern. Dies würde gegen die anhaltende Stimmungsmache kontra Google helfen.

    Sollte das System die erwarteten Komfortsteigerungen bringen, könnte es zu einer Renaissance von Paid Content im Web kommen. Dann wird sich endgültig zeigen, ob Paid Content ein zukunftsträchtiges Modell für journalistische Inhalte im Internet sein kann (abseits von Spezialfällen wie dem Wall Street Journal). Ob das der Fall ist, hängt entscheidend von der Zahlungsbereitschaft der Nutzer ab. Vermutlich wird es stets Angebote geben, nicht mitziehen beim Paid Content werden — denn wenn sich wesentliche Akteure hinter Bezahlschranken verbarrikadieren, können werbefinanzierte Angebote mehr Leser anlocken und werden lukrativer. Und solange Nutzer die Inhalte kostenlos bekommen können, wird ihre Zahlungsbereitschaft gering bleiben.

    Artikel veröffentlicht von am 18. Juni 2010 |


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