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  • Google will Urheberrechte besser schützen

    Google kündigt eine verschärfte Politik gegen Urheberrechtsverletzungen an und hilft damit den Inhalteanbietern. Die neuen Maßnahmen könnten aus opportunistischen Gründen als Zugeständnis an die Content-Industrie eingeführt werden. Google verbessert damit seine Verhandlungsposition zum Wohle von neuen Services wie Google TV, Google Editions und Google Music.

    Urheberrechts-Verletzungen sind im Internet an der Tagesordnung. Teilweise vorsätzlich und sogar gewerblich, oftmals aber auch nur unbewusst. Inhaltsersteller haben naturgemäß ein Interesse daran, die Verbreitung von unerlaubt vervielfältigten Kopien zu unterbinden. Eine zentrale Rolle könnten hier die großen Suchmaschinen wie Google spielen — wenn sie Urheberrechts-verletzende Seiten sperren, würden wesentlich weniger Internetnutzer auf die Inhalte stoßen. Dies wäre aus Sicht der Urheber inbesonders dann wünschenswert, wenn die Urheberrechtsverletzer schwer zu fassen sind und die Rechtsdurchsetzung sehr aufwändig oder praktisch unmöglich ist.

    Suchmaschinen wie Google wollen Urheberrechtsverletzer zwar nicht unterstützen, aber sie wollten bisher auch nicht im Kampf dagegen eingespannt werden. Die Abbarbeitung von entsprechenden Beschwerden würde enorme personelle Ressourcen verschlingen, zudem negative Publicity durch fälschlicherweise gesperrte Seiten entstehen kann. Google bot aus Rechtsgründen zwar ein Verfahren zur Entfernung von inkriminierten Seiten an, dieses war jedoch umständlich und abschreckend.

    Etwas überraschend kam daher eine heutige Ankündigung, mehr für den Schutz von Urheberrechten zu tun. Konkret wurden von Google die folgenden Neuerungen verlautbart:

    • Glaubwürdige Anträge auf Entfernung einer Seite sollen sollen innerhalb von 24 Stunden bearbeitet werden. Zudem soll ein derartige Antrag (DMCA takedown requests) vereinfacht werden. Dies bedeutet wahrscheinlich, dass es ein Webformular geben wird und keine Postsendung mehr notwendig sein wird. Die Glaubwürdigkeit könnte Google anhand von Veröffentlichungsdaten beurteilen, im Index von Google sind diese Daten ohnehin vorrätig.
    • Bestimmte Suchphrasen werden aus Google Suggest entfernt, wenn sie überwiegend in Zusammenhang mit Urheberrechts-Verletzungen verwendet werden. Dies betrifft etwa Wortkombinationen mit Termini wie crack, serial oder torrent. Eine Suche danach wird aber unverändert möglich bleiben, schließlich kann man die Absicht eines Suchmaschinennutzers nie eindeutig festmachen.
    • Die AdSense-Richtlinien verbieten schon seit jeher den Einsatz auf Seiten, die gegen geltende Urheberrechtsbestimmungen verstoßen. Die Einhaltung dieser Regelung soll in Zukunft verstärkt geprüft werden. Als Konsequenz kann der Ausschluss von AdSense-Programm drohen. Hier muss Google jedoch aufpassen, dass ein AdSense-Code nicht missbräuchlich von unbefugten Personen eingesetzt wird um jemand gezielt zu schaden.
    • Google möchte rechtmäßig veröffentlichte Werke leichter zugänglich machen und auch eine bessere Vorschau darauf bieten. Die Bedeutung dieses Vorhabens ist nicht näher erläutert. Wahrscheinlich ist damit der verstärkte Einsatz von Google Oneboxes gemeint. Bereits vor rund einem Jahr wurde in den USA die Music Onebox eingeführt.

    Damit bleibt noch die Frage offen, was Google zu diesen Maßnahmen bewegt hat. Jedenfalls ist dies keine Reaktion auf einen verlorenen Rechtsstreit, das derzeitige Verfahren war bisher ausreichend.

    Höchstwahrscheinlich handelt es sich dabei um zusätzliche Zugeständnisse an die organisierte Content-Industrie. Google möchte ein neues finanzielles Standbein neben Online-Werbung etablieren. Die Reise geht dabei in Richtung Content-Vertrieb. Mit Google Editions soll schon in den nächsten Wochen eine E-Book-Verkaufsplattform starten, mit Google Music soll danach ein iTunes-Konkurrent folgen. Auch der Erfolg von Google TV ist von den Inhalteanbietern abhängig, gerade hier gab es in den letzten Monaten zahlreiche Rückschläge durch Blockaden. Die neue Urheberrechts-Politik von Google könnte die Inhalteanbietern besänftigen und Googles Verhandlungsposition verbessern.

    Artikel veröffentlicht von am 04. Dezember 2010 |


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