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  • Bewertungsmöglichkeiten für soziale Profile (SocialRank)

    Wie kürzlich bestätigt werten Google und Bing die Links auf Twitter und Facebook als soziale Qualitätssignale. Die Wertigkeit dieser Links hängt von der Bewertung des linkgebenden Accounts ab. Im folgenden Artikel sollen daher am Beispiel von Twitter einige Möglichkeiten zur Bewertung eines SocialMedia-Profils aufgezeigt werden.

    Letzte Woche wurde von Vertretern der Suchmaschinen Google und Bing bestätigt, dass die Popularität einer Webseite bei SocialMedia-Plattformen wie Twitter als soziales Qualitätssignal in das Ranking einfließt. Ebenso wie bei Weblinks zählt hier nicht einfach nur die Anzahl der Erwähnungen, sondern jeder Erwähnung wird eine Qualität beigemessen. Diese Qualität wird anhand der sozialen Autorität des Urhebers ermittelt, bildlich gesprochen einem PageRank für Profile — im folgenden wird die entsprechende Messgröße einfach SocialRank genannt.

    In diesem Beitrag geht es am Beispiel von Twitter um messbare Faktoren, die in die Berechnung eines SocialRank einfließen könnten. Es handelt sich um theoretische Möglichkeiten, denn bisher gibt es kein gesichertes Wissen über den Bewertungsalgorithmus von Google. Diese Überlegungen sollen Hinweise darauf geben, wie man den Wert eines Profils steigern kann und welche Tricks von einem intelligenten Algorithmus erkannt werden können. Alle genannten Faktoren greifen auf real verfügbare Daten zurück, offen ist nur die Frage der tatsächlichen Berücksichtigung.

    Faktorgruppe 1: Follower als Basis

    Eine offensichtliche Rolle spielen die Follower bzw. in anderen sozialen Netzwerken Freunde und Fans. Je mehr Follower desto höher die Bedeutung ist ein einfaches Grundprinzip. Doch die Quantität alleine wäre ein schlechter Faktor: Follower-Zahlen können einfach in die Höhe getrieben werden — jeder kann sich mühelos neue Accounts anlegen, Twitter-Profile mit automatisierten Bots pflegen oder die Follower gleich von derartigen Betreibern kaufen.

    Zur vernünftigen Berechnung des SocialRank eines Accounts SRx muss also der SocialRank des Followers SRi einbezogen werden. Der SR wäre damit die Summe aller SR der Follower, wobei n in der folgenden Formel die Anzahl aller Follower bezeichnet.

    SocialRank-Berechnung, Iteration 1

    Dabei bestehen allerdings noch drei Probleme. Erstens berücksichtigt diese Formel nicht, wie vielen anderen Profilen ein Nutzer folgt. Wenn jemand 5000 Profilen folgt, so wäre dieser Follower gleich viel wert wie wenn er nur 100 Profilen folgt. Jeder würde automatisch möglichst vielen anderen folgen in der Hoffnung auf einen Refollow. Tatsächlich kann man jeden einzelnen dabei weniger Aufmerksamkeit schenken, weshalb dies weniger wert sein müsste. Der vererbte SocialRank sollte daher durch die Anzahl der verfolgten Profile Fi geteilt werden.

    SocialRank-Berechnung, Iteration 2

    Damit kommen wir zum zweiten offenen Problem: Das Berechnungsverfahren ist rekursiv. Angenommen wir haben folgendes System aus drei Nutzern: A folgt nur B, B folgt nur C und C folgt nur A. Steigt der SocialRank durch einen externen Impuls, so steigt auch der SR von B um +1, so steigt der SR von C+1, wodurch wieder der SR von A um +1 steigt. Es wäre ein endloser Zyklus, der nur dort gedämpft wird, wo jemand niemanden folgt. Daher muss ein Dämpfungsfaktor d eingeführt werden. Dabei gilt, dass dies ein konstanter Faktor zwischen 0 und 1 sein muss.

    SocialRank-Berechnung, Iteration 3

    Die dritte offene Frage ist der Startwert. Bei der ersten Iteration, der erstmaligen Berechnung eines SocialRanks, benötigt man einen Startwert für den SR der Follower. Dieser könnte pauschal auf 1 gesetzt werden. Noch besser wäre es jedoch, den Startwert von anderen statischen Faktoren abhängig zu machen, um die unterschiedliche Wertigkeit der Accounts zu berücksichtigen. Anhaltspunkte dafür geben die beiden folgenden Faktorengruppen.

    Faktorgruppe 2: Account-Daten

    Es kommen zumindest drei Faktoren in Frage, um einen Account unabhängig von anderen Accounts in einer statischen Betrachtung zu bewerten:

    • Alter: Der Faktor Alter bedarf keiner weiteren Erklärung. Problematisch ist allerdings, dass ein Account einfach nur eine Karteileiche sein könnte — vor langer Zeit registriert, aber nie ernsthaft genutzt. Eine bessere Option wäre daher die aktive Zeitspanne, beispielsweise die Anzahl der Wochen mit einem definierten Mindestlevel an Aktivität.
    • Aktivität: Die Aktivität ist bei Twitter am einfachsten anhand der Anzahl der verfassten Tweets festzustellen. Dies ist jedoch kein echtes Qualitätssignal, daher kann es nicht besonders viel zählen und müsste gedeckelt sein, um Spammern keinen Vorteil zu verschaffen. Dieser Faktor hat erst in Kombination mit anderen Faktoren (Follower, Retweets) eine echte Aussagekraft.
    • Verifikation und Trust: Verifizierte Accounts können automatisch eine gewisse Autorität haben, diese Accounts wurden schon von Twitter überprüft. Jedoch ist nur ein kleiner Teil der Accounts verifiziert. Für die Erstellung eines SocialRanks könnte bekannten Twitter-Persönlichkeiten auch manuell ein Trust zugeordnet werden.

    Faktorgruppe 3: Links und Interaktion

    Links spielen bei Suchmaschinen bekanntlich eine wichtige Rolle. Auch soziale Profile können anhand von Links bewertet werden. Für Websites haben Suchmaschinen wie Google bereits ausgefeilte Bewertungsmechanismen. Sie können dadurch gut einschätzen, wie viel ein Link von einer Website wert ist. Es ist keine große Herausforderungen, die Links auf ein Profil oder einen einzelnen Tweet einem konkreten Account zuzuordnen und den Wert des Links in eine Steigerung des SocialRanks umzurechnen. Externe Links auf Twitter-Accounts haben auch einen Wert, Linkbuilding für Twitter-Accounts könnte daher ebenso bedeutend werden.

    Follower können natürlich auch als spezielle Links betrachtet werden, das Thema Follower wurde aber schon ausreichend behandelt. Eine andere Form von internen Links sind die Retweets. Retweets sind ein eindeutiges Qualitätssignal. Neben den Retweets könnte mit etwas geringerer Wertigkeit generell jede Erwähnung zählen. Es schadet daher sicher nicht, in eine Konversation mit anderen einzusteigen um mehr Erwähnungen in Tweets zu bekommen. Retweets und Erwähnungen müssen aber wiederum in Abhängigkeit vom SocialRank gewertet werden, weshalb sie zur Ermittlung des besprochenen Startwerts nicht so gut geeignet sind wie externe Links.

    Resümee: Anwendung von bekannten Prinzipien

    Um die soziale Autorität zu berechnen, können viele der bekannten Prinzipien von der Bewertung einer Website übernommen werden. PageRank, TrustRank und ähnliche Verfahren können analog angewendet werden. Die Backlinks in sozialen Netzwerken sind Follower, Retweets und Erwähnungen, dazu kommen externe Links von Websites. Auch andere Faktoren wie Alter sind problemlos auf soziale Profile umzumünzen.

    Die Existenz von sozialen Qualitätssignalen bei Google und Bing wurde eben erst bestätigt. Die Suchmaschinen stehen erst am Anfang mit dem Einbezug von SocialMedia. Auch wenn dies heute wohl nur ein kleiner Faktor ist, wird dessen Bedeutung im Laufe der nächsten Jahre steigen. Links verschieben sich zunehmend von normalen Websites auf SocialMedia-Plattformen. Suchmaschinen können diesen Trend nicht ignorieren.

    Follower-Kauf oder primitive Follow-Refollow-Muster werden bei einem intelligenten Bewertungsalgorithmus nicht zum gewünschten Erfolg führen. Um ein hochwertiges Profil aufzubauen, muss über einen längeren Zeitraum hinweg ausreichend Zeit und Mühe investiert werden. Wer damit nicht rechtzeitig beginnt, wird eines Tages der Konkurrenz hinterherhinken.

    Artikel veröffentlicht von am 06. Dezember 2010 |


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